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16.04.2008 
US-Autobauer

Chrysler sucht dringend Partner

von Martin Buchenau, Mark C. Schneider und Katharina Kort

Der angeschlagene amerikanische Autobauer Chrysler versucht, seine Zukunft durch Allianzen mit europäischen und japanischen Autokonzernen abzusichern. Am Dienstag hat das Unternehmen verkündet, zusammen mit dem japanischen Hersteller Nissan Kleinwagen und Pick-ups zu produzieren. Bald könnte eine weitere Kooperation hinzukommen.

STUTTGART/DÜSSELDORF/MAILAND. Dazu könnte bald noch der Bau eines Alfa-Romeo-Modells für den Markteintritt der Italiener in Nordamerika kommen. Branchenkreisen zufolge sollen die Verhandlungen mit der sportlichen Fiat-Tochter vorangehen. Chrysler gehörte fast zehn Jahre zu Daimler. Im vergangenen Jahr trennten sich die Stuttgarter von dem US-Autobauer, der Milliardenverluste macht. Der amerikanische Finanzinvestor Cerberus übernahm Chrysler, Interessenten aus der Branche war der Deal zu riskant. Der drittgrößte US-Autobauer steht vor gewaltigen Herausforderungen, Cerberus streicht bereits Tausende Stellen. Statt eine gemeinsame Kleinwagen-Plattform mit der Daimler-Tochter Mercedes zu nutzen, ist Chrysler nun auf die Zusammenarbeit mit Konkurrenten angewiesen. Ein Kooperationsversuch mit dem chinesischen Autobauer Chery scheiterte.

"Das Knüpfen der richtigen taktischen Partnerschaften ist für den langfristigen Erfolg von Chrysler ganz entscheidend", sagte Chryslers Produktions-Chef Tom LaSorda nach der Bekanntgabe der Vereinbarung mit Nissan am Firmensitz in Detroit.

Die Japaner werden für Chrysler einen Kleinwagen in ihrem Heimatland bauen. Die Amerikaner werden für Nissan einen Pick-up-Truck für den US-Markt in Mexiko produzieren. "Es könnte auch noch weitere Partnerschaften mit anderen Herstellern geben", sagte eine Chrysler-Sprecherin dem Handelsblatt. Den Bau von Alfa Romeos bezeichnete sie als "Spekulation".

"Solche pragmatischen Kooperationen sind unter den gegebenen Umständen für Chrysler der beste Weg, die Kapazitäten auszulasten", sagt Autoexperte Engelbert Wimmer von PA Consulting. Die Autobauer reduzierten damit nicht nur ihre hohen Kosten, sondern hielten gleichzeitig ihr Händlernetz lebensfähig. "Die Chrysler-Händler müssen den US-Kunden dringend neue Modelle bieten, um den Absatz anzukurbeln", sagt Wimmer.

Allianzen gelten in der Autobranche nach mehreren gescheiterten Übernahmen und Fusionen wie im Fall von Daimler und Chrysler, BMW und Rover oder GM und Fiat als Königsweg, um die hohen Kosten für neue Modelle und Technologien zu schultern. Ein neues Automodell schlägt schnell mit mehr als einer Milliarde Euro zu Buche.

Fiat wollte auf Anfrage lediglich Gespräche mit Chrysler bestätigen. Konzernchef Sergio Marchionne spricht nach eigenen Angaben mit den drei großen US-Herstellern Chrysler, Ford und General Motors (GM) immer wieder über verschiedene Optionen. Fiat will mit Alfa Romeo den US-Markt erobern. Angesichts des schwachen Dollar-Kurses soll mindestens ein Modell vor Ort produziert werden.

Lesen Sie weiter auf Seite 2: Der Leidensweg von Chrysler

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