Chrysler erwägt einem Zeitungsbericht zufolge den Ausstieg aus der Eigenproduktion von Mittelklassewagen. Der US-Autokonzern führe derzeit Verhandlungen mit dem japanischen Rivalen Nissan
über eine Ausweitung der Partnerschaft.
ebe/HB NEW YORK. Nissan
könnte künftig Mittelklassewagen produzieren, die Chrysler in den USA unter eigenem Namen verkauft, schreibt das "Wall Street Journal" unter Berufung auf Insider. Der drittgrößte US-Autohersteller, der wie seine Konkurrenten General Motors
und Ford
unter dramatischen Umsatzeinbussen im Heimatmarkt leidet, würde mit diesem Schritt radikal sein Geschäftsmodell ändern und in einem Kernsegment des Marktes nicht mehr als Produzent auftreten. Chrysler benötige "dringend" die Hilfe von Nissan
, weil der Konzern für die Entwicklung neuer Mittelklasseautos kein Budget habe, sagte Yokoi Hirofumi, Analyst der Beratungsfirma CMS Worldwide, der Nachrichtenagentur Bloomberg.
Nissan
wollte die Spekulationen nicht kommentieren. Eine Chrysler-Sprecherin sagte, es gebe "keine neue Allianzen" zu vermelden. Die jüngsten Versuche des US-Konzerns, in den leichteren Fahrzeugsegmenten unterhalb von Trucks, Jeeps und Minivans zu punkten, sind schwer gefloppt: Nach Angaben des US-Branchendienstes Autodata verkaufte sich der Mittelklassewagen Chrysler Sebring im Juli nur 2 137 Mal, der Dodge Avenger kam auf knapp über 4 000 Verkäufe. Zum Vergleich: Der Toyota
Camry und der Honda Accord wurden im gleichen Zeitraum jeweils mehr als 40 000 Mal abgesetzt.
Der New Yorker Finanzinvestor Cerberus, der im Vorjahr von Daimler
die Mehrheit an Chrysler übernahm, trimmt die angeschlagene Traditionsfirma konsequent auf Cash-Flow - ohne Rücksicht auf Marktanteile und Umsatzeinbußen. Sollte der Autobauer tatsächlich Entwicklung und Produktion von Mittelklassewagen an Nissan
abtreten, ließen sich im Gegenzug Milliarden einsparen. Im April hatten Nissan
und Chrysler bereits eine erste Kooperation bekanntgegeben. Nissan
wird ab 2010 Kleinwagen für Chrysler bauen und der US-Hersteller im Gegenzug die Produktion eines großen Pick-up-Modells für die Japaner beginnen. Die Strategie, Entwicklung und Produktion in der Autoindustrie auszulagern, gilt jedoch als riskant. Subaru
produzierte 2004 ein Einstiegsmodell für die GM
-Marke Saab
. Die Verkäufe aber floppten, das als "Saabaru" verschmähte Modell 9-2x verschwand bereits zwei Jahre später vom US-Markt.

