Chrysler-Übernahmepläne
Kerkorian will sich mit Arbeitnehmern verbünden

Die Chrysler-Jagd ist in vollem Gange, Jäger melden sich aus völlig überraschenden Ecken und in erstaunlichen Konstellationen: Nach der Offerte eines Arbeitnehmer-Buyout-Komitees meldet sich jetzt US-Milliardär Kirk Kerkorian mit der Ankündigung, sich für seine Chrysler-Übernahmepläne mit diesem Komitee verbünden zu wollen.

HB DETROIT. Vertreter der Kerkorian-Investmentfirma Tracinda bereiteten ein Treffen mit den Arbeitnehmern vor, die selbst ein Angebot zur Übernahme der verlustreichen Daimler-Chrysler-Tochter gemacht hätten, sagte ein mit dem Vorgang Vertrauter der Nachrichtenagentur Reuters. Tracinda sehe Gemeinsamkeiten mit den Beschäftigten.

Ein „Arbeitnehmer-Buyout-Komitee“ hatte dem Mutterkonzern im Namen der 50 000 Chrysler-Mitarbeiter eine Offerte übergeben, die vorsieht, dass Daimler-Chrysler einen Minderheitsanteil an der US-Tochter behält, während die Arbeitnehmer 70 Prozent der angeschlagenen Traditionsfirma übernehmen. Ein Chrysler-Sprecher bestätigte, dass Chrysler-Chef Tom LaSorda das Angebot der Gruppe aus Toledo im US-Bundesstaat Ohio erhalten hat. „Es ist an die Leute weitergeleitet worden, die die Optionen prüfen.“ „Wir wollen darauf eine Antwort“, sagte Michele Mauder, die die Arbeitnehmer-Gruppe vertritt. „Wir verdienen, dass man unser Angebot als erstes berücksichtigt – vor jedem Finanzinvestor und vor jedem anderen, der eine Offerte auf den Tisch legt.“

Kerkorians Investmentfirma Tracinda will 4,5 Milliarden Dollar für Chrysler zahlen – Analysten halten diese Summe für zu niedrig. Die Offerte des greisen Milliardärs sieht vor, dass ein „substanzieller“ Anteil an Chrysler an die Mitarbeiter übertragen werden soll. Mauder sagte, sie sei offen für ein Treffen mit Tracinda, obwohl ihre Gruppe bislang dem Gebot des kanadischen Autozulieferers Magna zuneige, falls Daimler-Chrysler keinen Minderheitsanteil behalten wolle. „Momentan sind alle Türen offen“, sagte die Mitarbeiterin.

Der Chef der mächtigen US-Autogewerkschaft UAW, Ron Gettelfinger, sagte unterdessen einem Detroiter Radiosender, er schaue sich das Angebot der Chrysler-Mitarbeiter an. Für ihn sei aber weiter vorrangig, Daimler-Chrysler zu überreden, die US-Tochter zu behalten. Auf Ablehnung stieß die Offerte der Mitarbeiter beim Chef der kanadischen Automobilarbeiter-Gewerkschaft: Buzz Hargrove sagte der Zeitung „Automotive News“, „die Arbeiter haben bereits alles in das Unternehmen investiert, darunter ihre Arbeitsplätze und ihre Pensionen“.

Bisher haben nur Tracinda und die Arbeitnehmer ihre Offerten öffentlich gemacht. Allerdings wird daneben auch noch Magna sowie den Finanzinvestoren Cerberus und Blackstone Interesse an Chrysler nachgesagt. Daimler-Chrysler-Chef Dieter Zetsche hatte im Februar gesagt, bei Chrysler seien alle Optionen offen, und damit das Bieterrennen inoffiziell eingeleitet. Chrysler machte im vergangenen Jahr knapp 1,5 Milliarden Dollar Verlust.

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