Chrysler-Verkauf
Autobauer im Sonderangebot

Noch hat sich der Daimler-Vorstand nur vage über seine Zukunftspläne für die US-Tochter Chrysler geäußert. Mit gutem Grund: Der angeschlagene amerikanische Autobauer ist mit seinen hohen Sozialverpflichtungen in den USA kein Verkaufsschlager. Über den Kaufpreis sind von mehreren Milliarden über Nullsummengeschäft bis Extrazulage alle Varianten im Gespräch.

HB BERLIN. Der geplante Verkauf des angeschlagenen US-Autobauers Chrysler dürfte für Daimler-Chrysler allenfalls ein Nullsummenspiel werden. „Wenn man sich Chrysler genau anguckt, stellt man fest, dass das Unternehmen an sich nichts wert ist“, sagte der Analyst der SEB-Bank, Gregor Claussen, am Dienstag der Nachrichtenagentur AP in Berlin.

Über den Kaufpreis lässt sich nach Einschätzung des Experten derzeit nur spekulieren. Ursprünglich seien zwar drei bis 4,5 Mrd. Euro im Gespräch gewesen, zuletzt auch 6,5 Milliarden. Doch zugleich dürfen man nie die „unheimlich hohen“ Verpflichtungen Chryslers für Gesundheitsvorsorge und Pensionszahlungen in den USA außer Acht lassen, die Claussen auf sieben bis zehn Mrd. Euro in den kommenden Jahren taxiert. Um diese Hypothek auszugleichen, müsse Daimler-Chrysler möglicherweise noch eine „Mitgift“ dazu schießen, was den Kaufpreis verringern deutlich werde.

Der zu Jahresbeginn ins Gespräch gebrachte Verkauf des Verlustbringers Chrysler müsse nun auf jeden Fall über die Bühne gebracht werden, meinte der Investment-Stratege. „Es werden inzwischen feste Erwartungen an das Management gestellt und es ist nüchtern betrachtet auch die einzige Möglichkeit.“ Die zweitbeste Möglichkeit wäre aus seiner Sicht eventuell noch, Chrysler an die Börse zu bringen. „Aber einfach nichts zu tun, ist nicht mehr denkbar“, betonte er. Auch die Geduld des Kapitalmarkts sei irgendwann erschöpft. Als wahrscheinliche Kaufinteressenten nannte er den kanadischen Autoteile-Zulieferer Magna International sowie die Finanzinvestoren Cerberus und Blackstone.

Auf der (morgigen) Hauptversammlung in Berlin dürfte die mögliche Trennung von der US-Tochter Chrysler im Mittelpunkt stehen. Die inzwischen heftig kritisierte Fusion kam unter der Leitung des früheren Konzernchefs Jürgen Schrempp zu Stande. Die Hauptversammlung in Berlin wird zum letzten Mal vom derzeit noch amtierenden Aufsichtsratsvorsitzenden Hilmar Kopper geleitet. Der Ex-Deutsche-Bank-Chef stand dem Aufsichtsgremium des Stuttgarter Autobauers 17 Jahre lang vor und gibt dieses Amt nun ab.

Von Koppers Nachfolger Manfred Bischoff erwartet Claussen einige Änderungen in der Produktpalette und bei den Beteiligungen. Abgestoßen werden könnten eventuell das wenig florierende Van-Geschäft oder die Beteiligung an dem deutsch-französischem Luft- und Raumfahrtkonzern EADS. „Letzteres müssen allerdings auch die politischen Begleitumstände erlauben“, sagte er.

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