Chryslers Weg in die Zukunft
Tom im Glück

Chrysler-Chef Thomas LaSorda hat sich einen Traum erfüllt: Der Konzern baut nach seinem Konzept Jeeps gemeinsam mit insgesamt drei Zulieferern. Das senkt Kosten und Risiken zugleich.

TOLEDO. Immer wieder muss Thomas LaSorda bei der Rundfahrt durch sein neues Werk anhalten. Dann springt er aus dem kleinen Elektrowagen, um dem Besucher etwas Besonderes zu erklären, Details zu zeigen oder um einfach selbst noch mal die technischen Finessen zu bestaunen. Flache gelblich-grüne Streifen zum Beispiel, die den Betonboden stellenweise überziehen. „Hier“, sagt LaSorda, Chef der Chrysler Group, „das müssen Sie sehen.“ Auf den Streifen gleiten lautlos Wägelchen vorbei, beladen mit Sitzen, die gleich in ein Auto eingebaut werden. „Wenn die schweren Autoteile anderswo gebraucht werden, kleben wir die Leitbänder einfach um“, erzählt LaSorda. „In alten Werken gleiten die Wagen auf Schienen zu den Arbeitern, das Umdirigieren geht da nicht so einfach.“

Thomas LaSorda, seit knapp einem Jahr Nachfolger von Dieter Zetsche an der Spitze der Chrysler Group, ist kein Schreibtischtäter. Erst wenn er Menschen und Maschinen um sich hat, fühlt er sich richtig wohl – so wie in der neuen Fabrik, dem Toledo Supplier Park (TSP). Dort überlässt Chrysler zum ersten Mal wesentliche Teile der Fahrzeugproduktion Zulieferern.

Unter einem Dach fertigt der deutsche Roboterspezialist Kuka Schweißanlage GmbH die Rohkarosserie, Ohio Module Manufacturing Co. (OMMC) baut das Fahrwerk, und der langjährige Daimler-Partner Magna Steyr ist für die Lackieranlage verantwortlich. Erst wenn die lackierte Karosserie auf das komplette Fahrwerk aufgesetzt wird, beginnt Chryslers Arbeit: Innenausstattung, Endmontage und Qualitätsprüfung.

Das neuartige Fertigungsmodell ist ein wesentlicher Hoffnungsträger für Chrysler. Noch im vergangenen Jahren fuhr der Konzern mit attraktiven Modellen den Konkurrenten Genaral Motors und Ford davon, jetzt leidet Chrysler aber ebenfalls darunter, dass die Nachfrage nach spritfressenden Fahrzeugen eingebrochen ist. Das Toledo-Werk verkörpert LaSordas Vision von schlanker, flexibler und günstiger Fertigung, die schnelle Modellwechsel zulässt und die Verteilung langfristiger Beschäftigungsrisiken. Es ist Chryslers Weg in die Zukunft.

In der kritischen Phase vor ein paar Jahren, als Chrysler tief in den roten Zahlen steckte und Dieter Zetsche und Wolfgang Bernhard das Unternehmen mit einer Rosskur sanierten, war LaSorda Produktionschef. Zetsche hatte ihn von General Motors abgeworben. Dort hatte er sich zum Spezialisten für schlanke Fertigung nach japanischem Vorbild entwickelt.

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