Claassen-Prämie belastet
Solar Millennium muss seine Prognose korrigieren

Die Auseinandersetzung mit Ex-Vorstandschef Utz Claassen belastet Solar Millennium auch nach dessen Abgang. Der Konzern musste am Montag die Gewinnprognose deutlich nach unten korrigieren. Wesentlicher Grund dafür sind Prämienzahlung an Claassen – allerdings ist noch nicht klar, ob er diese auch behalten darf.
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DÜSSELDORF. Erst der Streit mit Ex-Vorstandschef Utz Claassen, dann die Verschiebung der Quartalszahlen und jetzt der nächste Paukenschlag: Solar Millennium muss seine Ergebnisprognose für das laufende Jahr nach unten korrigieren. Vorstandssprecher Thomas Mayer erwartet nicht mehr ein Ergebnis vor Zinsen und Steuern (Ebit) von 45 Mio. Euro, sondern nur noch von 30 Mio. Euro.

Er erklärte dies mit „außergewöhnlichen Belastungen“. Dazu gehört auch die Prämie, die Utz Claassen für seinen Amtsantritt sowie das Erreichen bestimmter Ziele erhalten hatte. Claassen war aber im März nach nur wenigen Wochen im Amt wieder ausgeschieden. Zu den Gründen hatte er im Interview mit der „Hannoverschen Allgemeinen Zeitung“ gesagt, er fühle sich von Solar Millennium getäuscht. Das Unternehmen wies diese Vorwürfe zurück.

Die Prämie von brutto rund neun Mio. Euro hatte er jedoch behalten. Das Unternehmen fordert sie zurück, musste aber jetzt erst einmal eine entsprechende Wertberichtigung vornehmen.

Die beiden Parteien streiten nun vor Gericht. Ein für diese Woche angesetzter Termin beim Landgericht Nürnberg wurde jedoch erst einmal auf Ende November verschoben. Deshalb machten vergangene Woche Spekulationen die Runde, dass es zu einer gütlichen Einigung kommen könnte. „Dazu können wir momentan noch nichts sagen“, sagte ein Sprecher des Aufsichtsrats. Er bestätigte jedoch, „dass wir mit der Gegenseite über eine gütliche Einigung sprechen“.

Aber nicht nur die Claassen-Prämie drückte die Ergebnisprognose. Auch die geplante Änderung der Finanzierungsstruktur beim spanischen Kraftwerksprojekt Ibersol belastet nach Unternehmensangaben das geplante Ergebnis.

Bereits die Zahlen für die ersten acht Monate des Geschäftsjahres (bis 30. Juni) fallen schlecht aus. So meldete das Unternehmen einen operativen Verlust von rund 27 Mio. Euro, nach einem Plus von rund 21 Mio. Euro im Vorjahreszeitraum. Der Umsatz sank von 48 Mio. auf 37 Mio. Euro.

Das Minus resultiert auch aus der Korrektur der Geschäftsabschlüsse für 2005/2006 und 2008/2009, die nach einer Sonderprüfung durch die Wirtschaftsprüfer von Deloitte nötig wurde. Sie führte dazu, dass das Unternehmen seine Zwischenergebnisse nicht im August, sondern erst gestern veröffentlichen konnte.

Vorstandssprecher Mayer relativierte die Zahlen: „Das Zwischenergebnis ist eine Momentaufnahme, die nicht die deutlichen Fortschritte unserer Projekte widerspiegelt.“ Die Anleger schickten die Aktie gestern trotzdem um mehr als sieben Prozent in die Tiefe.

Kommentare zu " Claassen-Prämie belastet: Solar Millennium muss seine Prognose korrigieren"

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  • Und man fragt sich nach dem Grad der Verzweiflung des Unternehmens, alleine für den Amtsantritt des Herrn Claassen und "das Erreichen bestimmter Ziele" kurz nach diesem Amtsantritt € 9 mio auszuloben.

    im übrigen wirft es auch Fragen zur Qualität des Aufsichtsrats auf, derartige Verträge abzuschliessen.

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