Cladribin
Merck kämpft verbissen um wichtiges Medikament

Merck kämpft weiter um die Zulassung seines wichtigsten neuen Medikaments in Europa. Der Pharma- und Chemiekonzern ist weiterhin überzeugt vom Potenzial der Pille Cladribin zur Behandlung der schubförmigen Multiple Sklerose (MS).
  • 0

HB FRANKFURT. Mercks-Pharmachef Elmar Schnee kündigte an, Einspruch gegen das negative Votum eines Expertengremiums der europäischen Arzneimittelbehörde EMA einzulegen und mit dem Gremium zusammenzuarbeiten, um die Bedenken auszuräumen.

Cladribin gilt als wichtigste Neuentwicklung im Arzneimittelgeschäft von Merck. Bislang müssen gängige Mittel gegen die unheilbare Krankheit gespritzt werden. Medikamenten, die Patienten diese Prozedur ersparen, werden deshalb Milliardenumsätze zugetraut. Auch Novartis arbeitet an einer MS-Pille namens Gilenya und hat derzeit in den wichtigsten Märkten die Nase vorn. In den USA erhielt der Schweizer Pharmariese kürzlich die Zulassung für das Mittel, in Europa rechnen Analysten mit einer Entscheidung der Behörden 2011.

Merck muss dagegen sowohl in den USA als auch in Europa einen zweiten Anlauf nehmen. Die US-Gesundheitsbehörde FDA akzeptierte einen Antrag für Cladribin im November 2009 zunächst nicht, sondern erst bei der zweiten Einreichung im Juli. Eine Entscheidung wird bis Ende des Jahres erwartet. In Europa hat Merck nun bis Ende November Zeit für einen erneuten Antrag. Pharma-Chef Schnee geht davon aus, dass es anschließend rund sechs Monate bis zu einer Entscheidung dauern wird.

Das Darmstädter Unternehmen muss das EMA-Expertengremium CHMP vor allem davon überzeugen, dass der Nutzen des Mittels die Gefahren überwiegt. Diesen Punkt hatten die Experten, deren Ratschlag die EU-Kommission bei ihrer endgültigen Entscheidung üblicherweise binnen Wochen folgt, im September als Hauptgrund für ihr negatives Votum genannt. Zudem verweist Merck darauf, das Cladribin in Russland und Australien bereits zugelassen ist.

Während in der Chemiesparte das Geschäft mit Flüssigkristallen brummt, musste Merck bei der Entwicklung neuer Medikamente zuletzt reihenweise Rückschläge einstecken. 2009 verweigerte die EMA etwa dem Krebsmittel Erbitux die Zulassung zur Lungenkrebs-Behandlung. Am Wochenende weckte eine kleine unabhängige Studie, die auf einem Krebs-Kongress in Mailand vorgestellt wurden, zudem Zweifel am Nutzen von Erbitux zur Behandlung von Darmkrebs. In der Folge fielen die Merck-Aktien am Montag um 1,3 Prozent auf 60,68 Euro.

Kommentare zu " Cladribin: Merck kämpft verbissen um wichtiges Medikament"

Alle Kommentare

Dieser Beitrag kann nicht mehr kommentiert werden. Sie können wochentags von 8 bis 18 Uhr kommentieren, wenn Sie angemeldeter Handelsblatt-Online-Leser sind. Die Inhalte sind bis zu sieben Tage nach Erscheinen kommentierbar.

Serviceangebote
Zur Startseite
-0%1%2%3%4%5%6%7%8%9%10%11%12%13%14%15%16%17%18%19%20%21%22%23%24%25%26%27%28%29%30%31%32%33%34%35%36%37%38%39%40%41%42%43%44%45%46%47%48%49%50%51%52%53%54%55%56%57%58%59%60%61%62%63%64%65%66%67%68%69%70%71%72%73%74%75%76%77%78%79%80%81%82%83%84%85%86%87%88%89%90%91%92%93%94%95%96%97%98%99%100%