Co-Chef Enders befürwortet Einstieg
EADS heißt Russen willkommen

EADS-Co-Chef Thomas Enders hat den Einstieg des russischen Staates als Gesellschafter des Luft- und Raumfahrtkonzerns begrüßt. Denn für das deutsch-französisch bestimmte Unternehmen ist der russische Markt enorm wichtig geworden.

HB BERLIN. „Der Einstieg der staatlichen russischen Vneshtorgbank bei EADS unterstreicht das große Interesse russischer Investoren an EADS“, sagte Enders der Tageszeitung „Die Welt“ (Montagsausgabe). „Die Zusammenarbeit mit der russischen Luftfahrtindustrie ist für uns von strategischer Bedeutung. Russland ist schließlich nicht nur ein wichtiger Markt, sondern verfügt über vielfältige Erfahrung in der Entwicklung und im Flugzeugbau.“

Die Vneshtorgbank hat bislang bestätigt, dass sie einen Anteil von 5,02 Prozent an EADS hält. Spekulationen zufolge soll der Anteil inzwischen aber bei 7 Prozent liegen. Russlands Präsident Vladimir Putin hatte bei seinem Deutschland-Besuch Anfang Oktober versichert, Moskau sei an einer Zusammenarbeit mit EADS interessiert, plane jedoch keine „feindliche Übernahme“.

Zusammenarbeit mit russischen Firmen

Laut Enders ist die Zusammenarbeit mit Russland in den vergangenen Jahren von punktuellen Kooperationsprojekten und Lieferbeziehungen hin zu einer breit angelegten strategischen Partnerschaft entwickelt worden. So hatte EADS im vergangenen Jahr einen zehnprozentigen Anteil an Irkut erworben, dem größten privaten Rüstungskonzern in Russland. Dieser fertigt auch Flugzeuge. Erst vergangene Woche habe man mit Irkut ein Abkommen zur langfristigen Zusammenarbeit bei Frachtflugzeugen unterzeichnet.

Ausweichend antwortete der EADS-Co-Chef auf die Frage, ob die aktuelle Diskussion über die EADS-Eigentümerstruktur das strategische Ziel des Unternehmens gefährden könnte, in Schlüsselmärkten wie dem US-Rüstungsgeschäft stärker Fuß zu fassen. Dort konkurriert EADS beispielsweise mit Boeing um einen 20-Mrd.-Dollar-Auftrag zur Erneuerung der US-Tankflugzeugflotte. „Die USA sind kein Freund von Staatsbeteiligungen, und ich bin das bekanntlich auch nicht“, bekräftigt Enders. Die amerikanischen Streitkräfte schätzten jedoch „den Wert unserer technologischen Spitzenprodukte, auch jenseits politischer Befindlichkeiten. Das spornt uns an.“

Bundesregierung erwägt Einstieg

Auch die Bundesregierung und mehrere Länderchefs erwägen derzeit, bei EADS einzusteigen, um deutsche Arbeitsplätze bei der Tochter Airbus zu sichern. Airbus wird derzeit umgebaut, was auch Jobs kostet. Die verspätete Auslieferung des doppelstöckigen A380 belastet das Unternehmen mit mehreren Milliarden Euro.

Die französische und die deutsche Seite halten sich derzeit die Waage bei EADS. Der französische Staat und der Medienkonzern Lagardere halten ebenso wie Daimler-Chrysler 22,5 Prozent an dem Luft- und Raumfahrtkonzern. Der Autobauer hat aber angekündigt, seinen Anteil auf 15 Prozent zu reduzieren. Die Lücke könnte der deutsche Staat füllen.

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