CO2-Ausstoß
Konzerne wollen saubere Dienstwagen

Die Entscheidung deutscher Großunternehmen, bei Dienstwagen auf den CO2-Ausstoß zu achten, stößt auf ein positives Echo. Nach Arcandor und der Allianz sollen auch die Siemens-Manager umweltfreundlich fahren.

MÜNCHEN. Die Entscheidung deutscher Großunternehmen, bei Dienstwagen auf den CO2-Ausstoß zu achten, stößt auf ein positives Echo. Nach Arcandor und der Allianz hatte auch Siemens am Wochenende eine neue Regelung vorgestellt. Der Konzern werde ab dem 1. Februar die Auswahl umweltfreundlicher Firmenwagen durch seine Mitarbeiter fördern, teilte Siemens mit. Ziel sei es, den Ausstoß der rund 2 500 Firmenwagen für leitende Angestellte des Konzerns schrittweise auf 120 Gramm Kohlendioxid pro Kilometer zu begrenzen. Die Führungskräfte sollen zudem einen Anreiz erhalten, ganz auf Dienstwagen zu verzichten und auf öffentliche Verkehrsmittel umzusteigen.

Siemens fällt der Schritt nicht schwer: Der führende Hersteller von Straßenbahnen und Schnellzügen verkaufte im vergangenen Jahr seine Autozulieferersparte VDO. Der Konzern setzt jetzt vor allem die deutschen Autohersteller unter Druck. Deren Mittel- und Oberklassenlimousinen werden überwiegend gewerblich genutzt werden und liegen mit ihren Emissionswerten teilweise deutlich über den geforderten Richtwerten. So kommt die derzeitige Siemens-Flotte auf einen Durchschnittsausstoß von 180 Gramm.

Bislang nutzten 99 Prozent aller Siemens-Führungskräfte einen Dienstwagen, sagte eine Siemens-Sprecherin. Denn das Auto war bisher Teil der Vergütung. Wer es nicht in Anspruch nahm, verzichtete auf Gehalt. Das soll jetzt anders werden: Wer kein Auto haben will, erhält eine monatliche Mobilitätszulage von bis zu 650 Euro brutto. "Viele Mitarbeiter arbeiten in München, das Büro lässt sich auch per Bahn erreichen", begründet die Sprecherin den Schritt.

Sparsamer will auch der Karstadt-Mutterkonzern Arcandor seine Führungskräfte fahren lassen. Dazu hat das Essener Unternehmen im vergangenen Jahr 500 Dienstwagen unter der Maßgabe der Umweltfreundlichkeit ausschreiben lassen. Jetzt fahren bald alle Führungskräfte des Touristik- und Warenhauskonzerns BMW Diesel, die mit ihren Emissionswerten vor Audi und dem Rivalen Daimler liegen. Auch die Allianz hat angekündigt ihre Flotte umzustellen und verfolge derzeit am Markt, "welche Fahrzeuge für uns interessant sein könnten", so der Versicherungskonzern.

"Die Umstellung der Dienstwagenflotten ist für uns deutlich positiv", kommentierte ein BMW-Sprecher die Entwicklung. Die Münchener hoffen, dass die Beispiele Siemens und Arcandor Schule machen, wenn in diesem Jahr die schadstoffbasierte KfZ-Steuer eingeführt wird und jedes Gramm zusätzliches Kohlendioxid in die Fuhrparkkosten eingeht. Konkurrent Daimler und der Audi-Mutterkonzern VW mochten sich nicht äußern.

Die Entscheidung von Siemens stößt auch auf das Interesse von Auto- und Umweltverbänden. "Es ist natürlich so, dass der CO2-Ausstoß auch im Firmenwagen-Segment ein wichtiges Thema ist, das bei der Auswahl ernst genommen wird", sagte ein Sprecher des Autoverbandes VDA. "Man kann Siemens in diesem Punkt nur loben", sagte der Sprecher des Verkehrsclubs Deutschland auf Anfrage.

Analysten sehen vor allem wirtschaftliche Schwierigkeiten auf die deutschen Hersteller zukommen. "Es scheint einen Trend zu kleineren Fahrzeugen und kleineren Motoren zu geben, der es schwierig machen wird, die Profitabilität auf den derzeitigen Level zu halten", glaubt Auto-Analyst Adam Jonas von Morgan Stanley. "Denn kleinere Autos haben auch kleinere Margen."

Derweil setzen die deutschen Hersteller ihre Spitzenmodelle auf Magerkost: Der BMW 750i Active Hybrid, der wohl Ende 2009 auf den Markt kommt, verbindet einen V-8-Motor mit einem Elektromotor. Konkurrent Mercedes bringt dieses Jahr eine S-Klasse mit 7,9 Litern Durchschnittsverbrauch. Beide Modelle haben den höchsten Dienstwagenanteil.

Martin-Werner Buchenau
Martin-W. Buchenau
Handelsblatt / Korrespondent
Mark C. Schneider
Mark C. Schneider
Handelsblatt / Redakteur
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