CO2-Ausstoß
Manager unterstützen Porsches EU-Kritik

Porsche-Chef Wendelin Wiedeking bekommt Unterstützung für seine Kritik an den Klimaschutzzielen der Europäischen Kommission. Auch VDA-Chef Wissmann sowie BMW und Audi verbitten sich die Attacken aus Brüssel. Die einhellige Meinung: Die deutsche Industrie wird benachteiligt.

HB DÜSSELDORF. "Von einem Krieg wird BMW sicher nie reden, das gehört nicht zu unserem Sprachgebrauch. Wir stellen uns der Herausforderung, denn okölogisches Verhalten ist Teil der Unternehmensphilosophie und unseres Selbstverständnisses als Hersteller hochwertiger Fahrzeuge. Wenn (aber) durch Äußerungen der EU der Eindruck entsteht, als werde die Autoindustrie das Thema CO2 alleine lösen können, dann ist das schlicht falsch. Uns als alleinigen Verantwortlichen zu attackieren ist nicht seriös", sagte Frank-Peter Arndt, Produktionsvorstand von BMW, dem Handelsblatt.

Anfang vergangener Woche hatte Porsche-Chef Wiedeking von einem "Wirschaftskrieg" zwischen der EU-Kommission und dem deutschen Autostandort gesprochen. Audi-Chef Rupert Stadler wehrt sich ebenfalls gegen die Brüsseler Vorhaben. Er bedauere, dass die Klimaschutzdiskussion nur im Umweltausschuss der EU-Kommission geführt werde und nicht im Gremium für Industriepolitik. Es mache keinen Sinn, in der Klimaschutz-Diskussion die deutsche Autoindustrie zu verteufeln. Wenn sie die drei Tophersteller Audi, BMW und Mercedes verbannen, haben Sie 1,5 Prozent weniger CO2, aber Sie machen die Industrie kaputt, sagte Stadler.

Kritik kommt auch von den deutschen Energiekonzernen. Wir teilen die vier Ziele der EU: mehr Europa, mehr Wettbewerb, mehr Investitionen und weniger CO2-Ausstoß. Mit der Art, wie die EU den Emissionshandel ausgestalten und auch in Eigentumsrechte eingreifen will, benachteiligt sie aber die deutsche Industrie. Klimaschutz darf nicht zu Lasten deutscher Verbraucher, deutscher Unternehmen und deutscher Arbeitsplätze gehen. Alle EU-Länder müssen in dieser Frage einen vergleichbaren relativen Ehrgeizcharakter entwickeln", sagte EnBW-Chef Utz Claassen dem Handelsblatt.

Der neue Präsident der Automobilindustrie (VDA), Matthias Wissmann, sprach sich dafür aus, die Kraftfahrzeugsteuer in eine Schadstoffsteuer umzuwandeln. „Jedes Gramm CO2 sollte gleich hoch besteuert werden. Je größer der CO2- Ausstoß, desto höher die Kfz-Steuer“, sagte er „Bild am Sonntag“. „Das hätte einen Lenkungseffekt und würde zur nötigen Bestandserneuerung beitragen.“

Wissmann hält es grundsätzlich für denkbar, die Kfz-Steuer abzuschaffen und dafür die Mineralölsteuer zu erhöhen. „Das wäre nach meiner persönlichen Meinung für die langfristige Zukunft durchaus überlegenswert“, sagte er.

Zugleich warnte der frühere Bundesverkehrsminister die EU- Kommission vor einer Diskriminierung der deutschen Autoindustrie. Die geplante Richtlinie zur Senkung der CO2-Emissionen „muss intelligent ausgestaltet werden“, mahnte Wissmann. „Es kann nicht sein, dass man alle Fahrzeugklassen über einen Kamm schert. Dies würde zu einer Diskriminierung der deutschen Autobauer führen - und damit Arbeitsplätze hier in Deutschland gefährden. Darüber werde ich auch mit Brüssel reden.“

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