CO2-Regulierung
Kampf um jedes Gramm

Autos müssen immer sparsamer werden, damit sie die gesetzlichen Vorgaben erfüllen. Dafür sind die Hersteller auch bereit zu tricksen. Eine neue Messmethode soll das künftig verhindern. Das könnte teuer werden.
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Düsseldorf„Jedes Gramm CO2, das wir in Europa in der Flotte einsparen, kostet unseren Konzern fast 100 Millionen Euro“ - mit dieser griffigen Formel brachte VW-Chef Martin Winterkorn im vergangenen Jahr auf dem Autosalon in Paris auf den Punkt, was nicht nur seinen Konzern, sondern die ganze Branche derzeit umtreibt. Die Vorgaben der EU-Politik sind für die Autohersteller eine Herausforderung. Der Kampf um die Emissionen ist für die Konzerne ein Kampf um die Rendite.

Bis zum Jahr 2021 sollen die Konzerne den CO2-Ausstoß ihrer Flotte auf unter 95 Gramm pro 100 Kilometer senken. Ein Wert, von dem die Hersteller derzeit noch weit entfernt sind. Im Schnitt stoßen ihre Fahrzeugflotten in Deutschland nach Daten des Kraftfahrzeugbundesamtes (KBA) immer noch noch 132,8 Gramm aus. Selbst der sparsamste Autokonzern Toyota liegt mit seinem Flottenverbrauch mit 117,4 Gramm noch deutlich über dem Grenzwert.

Dabei konnte der durchschnittliche Verbrauch in den vergangenen Jahren deutlich gesenkt werden. Dabei kam den Herstellern bisher auch die Messmethode entgegen, mit der die Verbrauchswerte ermittelt werden. Denn der „Neue Europäische Fahrzyklus“ ist längst nicht so neu wie sein Name vermuten lässt. Im Jahr 1996 hat er die vorher gültige DIN-Prüfung abgelöst, mit dem Ziel, den Spritverbrauch europaweit vergleichbar machen. Doch seine Messresultate haben sich mit den Jahren immer weiter von der Realität entfernt.

Er bietet den Herstellern fast die besten Bedingungen, um die Verbräuche kleinzurechnen. Denn wenn der Spritverbrauch von Neuwagen untersucht wird, bekommen die getesteten Wagen nie eine echte Landstraße zu sehen. Auch keinen Berufsverkehr. Es sitzt nicht mal ein Fahrer am Steuer. Stattdessen wird die Realität im Labor nachgestellt.

Genauer: auf einem Rollenprüfstand, der die Straßenbedingungen simuliert. 1.180 Sekunden dauert die Fahrt insgesamt - 780 Sekunden unter Stadtbedingungen, 400 Sekunden über Land. Dabei werden zunächst die Abgase gemessen und daraus der Spritverbrauch berechnet.

Mit spritsparenden Reifen und Autos, die Stunden vor dem Test auf 30 Grad aufgeheizt werden, lässt sich der Verbrauch künstlich senken. Bei diesen Temperaturen fließen Treibstoff und Öl besonders verbrauchsarm.

Ein weiteres Problem: Der Verbrauch eines Autos ist erheblich von der Umgebung abhängig. Wer auf einer verschneiten Landstraße in Schweden unterwegs ist, verbraucht durch seine Heizung mehr als wenn er über eine Küstenstraße in Süditalien fährt.

Wer durch die Serpentinen der österreichischen Alpen kurvt, hat dort einen höheren Spritverbrauch als in holländischer Plattlandschaft. Doch Steigungen kennt der NEFZ nicht. Heizungen und Klimaanlagen auch nicht. Im Schnitt weichen die Messwerte darum um 25 Prozent vom tatsächlichen Verbrauch ab, hat der ADAC ermittelt. Zeit für einen neuen Zyklus.

Kommentare zu " CO2-Regulierung: Kampf um jedes Gramm"

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  • Die Autokonzerne verfügen nicht über himmlische Konten sondern erzielen Kosten und Gewinn von der Kundschaft. Somit bezahlen die Autokunden am Ende die Kosten dieser ökoreligiösen Auflage wie alle anderen sinnvollen und weniger sinnvollen Auflagen und Steuern. Es ist erfrischend was sich die Menschen in der EU von den Politikern gefallen lassen.

  • Herr Klein,
    Es gibt Antriebsarten , die eben nicht für die Masse geeignet ist.
    Betreff bekannter Antriebsarten hat sich sehr wohl, gerade was Verbrauch angeht, eine Menge getan.
    Heute verbrauchen Motoren nicht halb so viel, wie vor 20Jahren.

    Und gerade diese Entwicklung hat die LOBBY und POLITIKER wach gemacht:
    Da ist etwas womit man Geld verdienen kann.

    Feinstaub in den Städten: es ist bewiesen, dass die Begründung (grober Unfug) ist - es wird aber
    weiter daran fesgehalten. (Verstösse) bringen Geld in die Kasse.

    Deutschland/Österreich u.a. Länder - ja gerade die Öschis zeigen sich zu Hause als Saubermänner
    Z.B. 100 auf Autobahn.Aber in den sogenannten (drietten Ländern) sind Sie die UMWELTZERSTÖRER Nr.:1
    Ich habe einige Länder bereist, wo die westl.Saubermänner verbrannte Erde hinterlassen.

  • --@ Herr Dr. Michael Klein

    Jeder, der es wissen will, kennt die Antworten und richtet sich und sein Leben danach aus. Aber das Volk will es weder wissen, noch ist es bereit sich und das Leben danach aus zu richten.

    Vor allem aber will das Volk nicht wach werden. Keiner will aufrüttelt oder gar wach werden. Am Ende würde man ja noch erkennen, dass wir im Goldenen Zeitalter leben. Das Volk will sich mies fühlen. Will Horror Sendungen und Katastrophen Meldungen. Nur dann ist die Welt in Ordnung.

    Zuletzt haben es die Urväter der Quantenphysik gesagt, dass eigentlich nur unser Bewusstsein das formt, was wir erleben. Also lasse man dem Volk seinen Traum von Gefahr und davon, dass man sie ausbeutet.

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