Coca-Cola-Rezept
So spannend wie ein John-Grisham-Thriller

Eine Angestellte wollte mit zwei Komplizen für 1,5 Millionen Dollar Rezepte von Coca-Cola an Pepsi verhökern. Doch sie hatten Pech: Der Erzrivale petzte und schaltete das FBI ein. Jetzt drohen der Frau bis zu zehn Jahre Haft.

ATLANTA. Die Darsteller der Geschichte würden einem Bestseller von John Grisham alle Ehre machen: eine hoch verschuldete Hauptangeklagte, zwei vorbestrafte Komplizen, ein Undercover-Agent, ein überraschend auftauchender Kronzeuge der Anklage – und zwölf Geschworene, die drei Tage um den Schuldspruch ringen, den Richter schließlich erschöpft um eine Ablösung bitten, damit aber auf taube Ohren stoßen.

Doch die etwas schrille Story ist keine Fiktion, sondern einer der spektakulärsten Fälle von Industriespionage in der amerikanischen Geschichte. Tatort ist Atlanta im Bundesstaat Georgia, genauer gesagt, das Hauptquartier des Brausekonzerns Coca-Cola, der amerikanischsten aller Marken-Ikonen. Der Vorwurf: Die Coca-Cola-Angestellte Joya Williams soll zusammen mit zwei Komplizen versucht haben, Betriebsgeheimnisse – darunter die Rezeptur für einen neuen Drink – an den Erzrivalen Pepsi zu verhökern. Am späten Freitagabend ging der Prozess in Atlanta zu Ende.

Der Tatbestand: Im Mai 2006 ging auf der Chefetage von Pepsico im US-Bundesstaat New York ein Schreiben ein, in dem ein Angestellter von Coca-Cola anbot, vertrauliche Unterlagen samt der Probe eines neuen, noch in der Entwicklung steckenden Getränks an den „höchsten Bieter“ zu verkaufen.

Nur: Pepsico biss nicht an, sondern rief in Atlanta an. Die ewige Nummer zwei auf dem Markt für braune Brause informierte den Konkurrenten Coca-Cola, und gemeinsam schalteten beide Konzerne die US-Bundespolizei FBI ein. Ein FBI-Agent gab sich als interessierter Unterhändler von Pepsico aus und arrangierte ein Treffen mit dem Briefeschreiber, der sich „Dirk“ nannte.

Derweil fahndete Coca-Cola nach dem Leck – mit Erfolg: Eine Überwachungskamera hatte Williams, die Chefsekretärin der Marketingabteilung, gefilmt, wie sie spätabends Dokumente und ein Plastikfläschchen in ihre Tasche stopfte. Rasch fand der Konzern auch heraus, dass Williams mit Duhaney – einem der beiden Männer, die sich abwechselnd als „Dirk“ ausgaben – befreundet war. Sie ist die Patentante seines Kindes.

Um den Zusammenhang gerichtsfest zu beweisen, traf sich der Undercover-Agent des FBI auf dem Flughafen von Atlanta mit dem dritten Komplizen Dimson, übergab ihm 10 000 Dollar und erhielt im Gegenzug eine Mappe mit Coca-Cola-Dokumenten. Als wenige Tage später auf Williams’ Konto 4 000 Dollar eingingen, entschieden sich die Behörden zum Zugriff – am 5. Juli 2006 wurden die drei Komplizen festgenommen.

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