Com, Business Services und Logistik machen Probleme
Hintergrund: Die drei großen Baustellen bei Siemens

Siemens will viel erreichen: In spätestens anderthalb Jahren sollen alle Bereiche des Konzerns Renditevorgaben erfüllen, die sich an den Ergebnissen der Wettbewerber in dem Geschäftsfeld orientieren. Um diese Vorgaben zu erfüllen, müssen sich viele Sparten aber stark verbessern: Im abgelaufenen Quartal erreichte nicht einmal die Hälfte die selbst gesteckten Ziele.

fas/jojo DÜSSELDORF. Drei Bereiche machen Siemens-Chef Klaus Kleinfeld die größten Sorgen: Siemens Com, die vom Umsatz her bedeutendste Sparte des Konzerns, die zuletzt überraschend tief in die roten Zahlen gerutscht ist. Darüber hinaus verfehlt der IT-Dienstleister Siemens Business Services (SBS) seit Jahren die Erwartungen. Dazu kommt die Logistiksparte, die zuletzt ebenfalls Verluste schrieb.

Siemens Com: Mit Abstand größte Baustelle ist die Telekom-Sparte Siemens Com. Der Bereich mit einem Quartalsumsatz von zuletzt 3,3 Mrd. Euro und einem Verlust von 70 Mill. Euro ist erst vergangenes Jahr entstanden, als Kleinfeld die Netzwerk- und Mobilfunksparte zusammenlegte. In den Geschäftsfeldern hat Siemens bereits umstrukturiert und tausende Arbeitsplätze gestrichen – mit unterschiedlichem Erfolg.

Um den größten Verlustbringer los zu werden, hat Siemens das hoch defizitäre Handy-Geschäft bereits ausgegliedert und gibt es Ende September an den Taiwaner Elektronikkonzern BenQ ab. Das reicht jedoch nicht: Das Firmenkundengeschäft läuft noch immer nicht rund.

Wegen hoher Verluste wird momentan zudem das Festnetzgeschäft umgebaut, weltweit müssen 1 300 Mitarbeiter gehen. Unklar ist noch, ob und gegebenenfalls welche weiteren Einschnitte folgen werden. Um ein Debakel wie mit den Handys zu vermeiden, hat Kleinfeld jüngst das Geschäft mit schnurlosen Telefonen in eine eigene Gesellschaft ausgegliedert. Damit soll die Firma flexibler handeln können.

Siemens Business Services: Zweite große Baustelle ist der IT-Dienstleister Siemens Business Services (SBS). Die Sparte macht den Münchenern seit Jahren Sorgen und hat ihre Zielmarge noch nie erreicht. Nach drei Quartalen des laufenden Geschäftsjahrs (30. September) summiert sich der Verlust auf 263 Mill. Euro. Im Vorjahr hatte SBS zu diesem Zeitpunkt einen Gewinn von 68 Mill. Euro erwirtschaftet.

Es ist völlig offen, wie es mit SBS weiter gehen soll. Fest steht lediglich, dass noch einmal Arbeitsplätze verloren gehen werden und die Kosten gedrückt werden sollen. SBS trennt sich derzeit von Teilen seines Wartungsgeschäfts für Computer.

In den vergangenen Monaten hat SBS zahlreiche große Outsourcing-Verträge abgeschlossen. Der Auftragseingang lag dementsprechend nach neun Monaten knapp eine Mrd. Euro über Vorjahr. Doch bis sich die Abschlüssen auszahlen, werden noch einige Quartale vergehen. So lange, heißt es im Quartalsbericht, werden auf SBS „weitere Belastungen“ aus der strategischen Neuausrichtung zukommen. Wie diese aussehen soll, vermag Siemens noch nicht zu sagen.

Siemens Logistik: Logistik ist ein Kernstück des Konzerns. Siemens-Anlagen steuern die Briefverteilung bei der Post, befördern Gepäck im Flughafen oder bringen in Autofabriken Schrauben für die Montage rechtzeitig ans Band.

Doch das Geschäft mit den komplexen Automatisierungsanlagen ist stark schwankend. Wenn die Konjunktur anspringt, dann stapeln sich die Aufträge. Doch in den vergangenen Jahren lief das Geschäft flau, da viele Unternehmen ihre Investitionen aufschoben. Der Umsatz der Siemens-Sparte brach im vergangenen Geschäftsjahr um zehn Prozent auf 2,34 Mrd. Euro ein, nur mit Mühe konnte sie sich in den schwarzen Zahlen halten. Für dieses Jahr könnte ein leichter Verlust unter dem Strich stehen – für Siemens-Chef Kleinfeld ist das nicht akzeptabel. Weitere Kostensenkungen und ein möglicher Stellenabbau stehen deshalb ins Haus. Entscheidungen darüber sollen in den nächsten vier Wochen fallen.

Generell sieht Siemens in der Logistik einen Wachstumsmarkt. Vor allem in China stehen noch viele Infrastrukturprojekte an. Siemens will in dieser Region auch mit Zukäufen an dem erwarteten Wachstum teilhaben. Hier zu Lande will Siemens vor allem im Servicegeschäft zulegen. Mit der Instandsetzung und mit Beratung soll bald jeder vierte Euro verdient werden.

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