Comac-Kooperation
Boeings riskante Entwicklungshilfe

Die Entwicklung des chinesischen Mittelstreckenjets C919 stockt. Nun könnte ausgerechnet der US-Flugzeugbauer Boeing die Chinesen voranbringen. Warum die Amerikaner einen direkten Konkurrenten unterstützen.
  • 2

Peking/ChicagoDer US-Flugzeugbauer Boeing macht ausgerechnet einen aufstrebenden Konkurrenten aus China zum Partner. Gemeinsam mit dem chinesischen Flugzeughersteller Commercial Aircraft Corporation of China (Comac) wollen die Amerikaner ein Forschungszentrum in Peking aufbauen und dort treibstoffsparende Antriebe entwickeln. Die Zusammenarbeit ist keine Kooperation auf Augenhöhe, sondern Entwicklungshilfe mit Profitkalkül. 

Die Chinesen brauchen dringend Erfolge in der Flugzeugproduktion. Trotz staatlichen Investition in Milliardenhöhe stockt die Entwicklung des Mittelstreckenjets C919. Die geplante Auslieferung im Mai 2016 wird kaum aufrecht zu halten sein. Ohne ausländische Unterstützung scheint das Projekt nicht in die Gänge zu kommen: Zuletzt verkündete Comac die Zusammenarbeit mit dem kanadischen Flugzeughersteller Bombardier. Nun soll auch Boeing den Chinesen unter die Arme greifen. 

Denn Comac spürt, dass der wichtigste Wettbewerbsvorteil sich langsam in Luft auflöst. Comacs Kampfansage an die Konkurrenz war lange ein günstigeres Flugzeug mit niedrigerem Verbrauch herzustellen – und so die veralteten Modelle der etablierten Anbieter preislich zu unterbieten. Doch Marktführer haben dazugelernt. Die A320 neo von Airbus und die 737 max von Boeing sind im Verbrauch ähnlich günstig. Und wegen ihrer Größenvorteile können die etablierten Hersteller den Airlines satte Rabatte gewähren. 

Die Verkaufszahlen sprechen für sich. Während sich Airbus vor Aufträgen für den  A320 neo kaum retten kann und die gesamte Produktion auf sechs Jahre ausverkauft ist, findet die C919 von Comac kaum Abnehmer. Von den 250 Vorbestellungen und Optionen kommen 160 von chinesischen Kunden. Selbst die großen chinesischen Airlines halten sich bisher zurück. 

Dass ausgerechnet Boeing der direkten Konkurrenz nun einen Entwicklungsschub geben könnte, lässt sich nur mit dem Profitkalkül der Amerikaner erklären. Der Flugzeugmarkt in Asien wächst rasant, bis zu 5000 Flugzeuge will Boeing dort bis 2030 verkaufen, China gilt als einer der wichtigsten Standorte. Wer dort erfolgreich produzieren und vor allem verkaufen will, muss ein gutes Verhältnis mit den Chinesen pflegen. Im Zweikampf mit Airbus wollen sich die Amerikaner durch ihre Kooperation kurzfristig einen Vorteil verschaffen. Doch wer sein Wissen preisgibt, riskiert, dass der Zweikampf schneller als erwartet zum Dreikampf wird.

Kommentare zu " Comac-Kooperation: Boeings riskante Entwicklungshilfe"

Alle Kommentare

Dieser Beitrag kann nicht mehr kommentiert werden. Sie können wochentags von 8 bis 18 Uhr kommentieren, wenn Sie angemeldeter Handelsblatt-Online-Leser sind. Die Inhalte sind bis zu sieben Tage nach Erscheinen kommentierbar.

  • Die Dummen verkaufen noch ihr Strick an dem man sie aufhängt.

  • Bemühe dich nicht , reich zu werden; da
    spare deine Klugheit! Du richtest deine 
    Augen auf Reichtum, und er ist nicht mehr
    da; denn er macht sich Flügel wie ein Adler
    und fliegt gen Himmel.-

    Sprüche 23; 4-5
     Bibel

Serviceangebote
Zur Startseite
-0%1%2%3%4%5%6%7%8%9%10%11%12%13%14%15%16%17%18%19%20%21%22%23%24%25%26%27%28%29%30%31%32%33%34%35%36%37%38%39%40%41%42%43%44%45%46%47%48%49%50%51%52%53%54%55%56%57%58%59%60%61%62%63%64%65%66%67%68%69%70%71%72%73%74%75%76%77%78%79%80%81%82%83%84%85%86%87%88%89%90%91%92%93%94%95%96%97%98%99%100%