Comeback eines Pharmakonzerns
Merck & Co überwindet die Krise

Das amerikanische Pharmaunternehmen Merck & Co kommt langsam aus der Schwächephase heraus, in die es vor drei Jahren durch den Verkaufsstopp des Schmerzmittels Vioxx gerutscht war. Ende voriger Woche verbuchte der Konzern einen weiteren Erfolg in der Abwehr von Schadenersatzklagen. Neue Produkte verhelfen dem US-Pharmakonzern zum Comeback.

FRANKFURT. Der oberste Gerichtshof des US-Bundesstaates New Jersey lehnte es ab, mehrere Schadensersatzklagen von Krankenkassen als sogenannte Sammelklage („class action“) zuzulassen. Eine Entscheidung, die nach Ansicht mancher Analysten die Chancen für Merck & Co verbessert, Ansprüche auf Rückzahlung von Arzneikosten abzuwehren.

Vioxx musste im September 2004 vom Markt genommen werden, nachdem Studien ein erhöhtes Herzinfarkt-Risiko für Konsumenten des Medikaments offenbarten. Den einst führenden Arzneimittelhersteller stürzte dieser größte Rückruf der Pharmabranche in eine Krise. Merck verlor mit Vioxx mehr als zwei Mrd. Dollar Umsatz, einen wichtigen Wachstumsträger und handelte sich zugleich Tausende von Schadensersatzklagen ein.

Das Debakel wog umso schwerer, als zuvor vier wichtige Entwicklungsprojekte gescheitert waren. Zudem nahte der Patentablauf beim umsatzstarken Cholesterinsenker Zocor. Innerhalb weniger Tage verlor Merck & Co mehr als ein Drittel an Wert.

Die juristische Aufarbeitung des Vioxx-Skandals ist aber auch nach dem jüngsten Erfolg bei Weitem nicht zu Ende. Zur Jahresmitte waren nach Angaben des Konzerns noch knapp 27 000 Schadensersatzklagen anhängig. Allerdings sieht es so aus, dass der Pharmariese die Ansprüche besser abwehren kann als ursprünglich befürchtet. Bislang hat Merck & Co zehn Einzelverfahren gewonnen und fünf verloren. Für Prozesskosten wurden bisher zwar rund 1,8 Mrd. Dollar ausgezahlt oder zurückgestellt. Der Aufwand liegt damit aber weit unter den zweistelligen Milliarden-Summen, die etliche Analysten einst als Belastung kalkulierten.

Auch im operativen Geschäft kommt Merck & Co unter dem seit 2005 amtierenden Chef Richard Clark voran. Nach fünf Jahren mit mehr oder weniger stagnierenden Erlösen und rückläufigem Gewinn deutet sich für 2007 erstmals wieder ein deutliches Plus bei Umsätzen und Erträgen an. Im ersten Halbjahr steigerte der Konzern den Umsatz um sechs Prozent auf zwölf Mrd. Dollar und den Gewinn um gut ein Zehntel auf 3,4 Mrd. Dollar. Für das Gesamtjahr stellt er ein Gewinnplus von fast 40 Prozent in Aussicht.

Sowohl der Umsatzausfall von Vioxx als auch der Patentablauf von Zocor ist inzwischen weitgehend verdaut. Zwar stehen gegen Ende des Jahrzehnts noch weitere wichtige Patentabläufe an, auf der anderen Seite machte die Produktentwicklung zuletzt wieder Fortschritte. Mit dem Impfstoff Gardasil zur Vorbeugung gegen Gebärmutterhals-Krebs und dem neuen Diabetesmittel Januvia brachte Merck & Co im vorigen Jahr zwei Neuentwicklungen auf den Markt, denen Analysten Milliarden-Umsätze zutrauen. Ein neuartiges Aids-Medikament erhielt am Donnerstag ein positives Votum von einem Beratergremium der FDA.

Zudem gewinnen die gemeinsam mit Schering-Plough vertriebenen Cholesterinsenker Vytorin und Zetia zusehends Marktanteile. Alles in allem verfügt der Konzern damit inzwischen wieder über bessere Wachstumsperspektiven als Konkurrenten wie Pfizer oder Glaxo-Smithkline.

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