Commercial Paper
US-Firmen in Refinanzierungsnot

Für US-Unternehmen trocknet die günstigste Finanzierungsquelle aus. Der Markt für Commercial Paper (CP), unbesicherte, geldmarktfähige Unternehmenspapiere mit einer Laufzeit bis zu maximal zwölf Monaten, schrumpft wegen zurückgehender Nachfrage so stark wie nie zuvor. Damit sind die Firmen gezwungen, teurere Anleihen aufzulegen.

NEW YORK. Seit dem 8. April ist das Volumen am Markt für Commercial Paper mit einer Laufzeit bis zu neun Monaten um 26 Prozent auf 1,1 Billionen Dollar abgesackt, geht aus Daten der US-Notenbank hervor. Im Juli 2007 kam der Markt auf ein Volumen von 2,22 Billionen Dollar. Geldmarktfonds halten rund 40 Prozent dieser Papiere.

Begonnen hat die massive Talfahrt im vergangenen September, als der 62,5 Mrd. Dollar schwere Geldmarktfonds Reserve Primary Fund nach der Pleite von Lehman Brothers zusammenbrach. Seitdem ziehen Anleger Geld aus Geldmarktfonds ab. Für Commercial Paper gibt es, mit Ausnahme von erstklassig bewerteten Unternehmen, so gut wie keine Nachfrage mehr.

Der Schrumpfungsprozess dürfte noch weiter gehen. Grund sind Vorschläge des Branchenverbands Investment Company Institute und der US-Wertpapieraufsicht SEC, Geldmarktfonds auf erstklassige Papiere zu beschränken. Für den Markt hätte das schwerwiegende Auswirkungen, da die Geldmarktfonds große Investoren sind.

Können Unternehmen sich nicht mehr über die kurzfristigen Schuldverschreibungen finanzieren, müssen sie auf den Anleihemarkt ausweichen. Das jedoch ist teuer: Anleihen kosten bis zu acht Prozentpunkte mehr an Zinsen, was bei einer Summe von 100 Mio. Dollar Mehrkosten von 8 Mio. Dollar jährlich bedeutet.

Mehr als 60 Unternehmen haben in diesem Jahr Commercial Paper durch länger laufende Anleihen abgelöst. Unter anderen hat der Versorger Consolidated Edison im März fünf- und zehnjährige Anleihen im Volumen von 750 Mio. Dollar begeben. Die Rendite lag bei 6,67 Prozent, mehr als sechs Prozentpunkte über der durchschnittlichen Verzinsung der Commercial Paper, die Con Edison mit dem Erlös ablöste. Insgesamt hat Con Edison nur noch 300 Mio. Dollar im Umlauf, im März 2008 war es noch eine Mrd. Dollar.

Der Cornflakes-Hersteller Kellogg beschaffte sich im Mai mit einem siebenjährigen Papier 750 Mio. Dollar, um Commercial Paper zurückzuzahlen. Mit 4,49 Prozent lag die Verzinsung der Anleihe fast viermal so hoch wie der durchschnittliche Satz, den Kellogg auf Commercial Paper gezahlt hat. Beide Unternehmen werden mehrere Stufen unter der Top-Bonitätsnote "AAA" bewertet. In den vergangenen zwölf Monaten haben erstklassige Geldmarktfonds ihren Commercial-Paper-Anteil von 45 Prozent auf 39 Prozent heruntergefahren.

Serviceangebote
Zur Startseite
-0%1%2%3%4%5%6%7%8%9%10%11%12%13%14%15%16%17%18%19%20%21%22%23%24%25%26%27%28%29%30%31%32%33%34%35%36%37%38%39%40%41%42%43%44%45%46%47%48%49%50%51%52%53%54%55%56%57%58%59%60%61%62%63%64%65%66%67%68%69%70%71%72%73%74%75%76%77%78%79%80%81%82%83%84%85%86%87%88%89%90%91%92%93%94%95%96%97%98%99%100%