Conoco-Phillips will Burlington
Die Fusionitis geht bei den Ölfirmen um

Der US-Ölkonzern Conoco-Phillips – in Deutschland durch seine 540 Jet-Tankstellen vertreten – ist laut Presseinformationen am Konkurrenten Burlington Resources interessiert. Käme das Geschäft zustande, hätte es gigantische Ausmaße.

HB NEW YORK. Es liefen fortgeschrittene Verhandlungen, doch die Gespräche seien noch nicht abgeschlossen und könnten auch noch scheitern, berichtete das „Wall Street Journal“ am Sonntag in seiner Online-Ausgabe unter Berufung auf mit der Angelegenheit vertraute Kreise. Sollten die Verhandlungen jedoch fortgeführt werden, könnte das Geschäft bereits in dieser Woche angekündigt werden. Die Firmen nahmen keine Stellung.

Die Burlington-Aktien waren am Vorwochenschluss insgesamt rund 29 Mrd. Dollar wert. Da bei Transaktionen in jüngster Zeit ein Aufgeld von 10 bis 15 Prozent gezahlt worden sei, könne der Preis bei gut über 30 Mrd. Dollar liegen, betonte die Zeitung.

Burlington Resources ist ein großer Erdgasproduzent, der vor allem über „unkonventionelle“ Vorkommen in Texas, in den Rocky Mountains und in anderen Gebieten verfügt, wo Erdgas in Felsvorkommen eingeschlossen und deshalb nur schwer förderbar ist. Burlington hatte im dritten Quartal einen Umsatz von knapp 2 Mrd. Dollar und verdiente 748 Mill. Dollar.

Ein Burlington-Kauf wäre die größte Transaktion unter den Ölkonzernen in diesem Jahr. Chevron hatte die US-Ölgesellschaft Unocal vor einigen Monaten für 17,8 Mrd. Dollar geschluckt; vorausgegangen war eine Bieterschlacht mit einer chinesischen Gesellschaft, in die sich sogar die Politik eingemischt hatte.

Die Übernahme der Burlington Resources geht nach Darstellung von Experten davon aus, dass die Erdgaspreise hoch bleiben. Sie hatten sich innerhalb von Jahresfrist etwa verdoppelt und hatten in der vergangenen Woche in den USA Rekordniveau erreicht.

In den USA beheizt die Mehrzahl der Haushalte ihre Häuser und Wohnungen mit Gas beheizt; rund 20 Prozent des amerikanischen Stroms werden aus Gas produziert. Erdgas ist auch ein wichtiger Rohstoff für die Chemieindustrie. Die Erdgasnachfrage war in den USA in den vergangenen Jahren massiv in die Höhe geschossen, weil es ein sauberer Brennstoff ist. 80 Prozent der Burlington-Vorkommen bestehen aus Erdgas und der Rest aus Öl.

Conoco-Phillips würde auch nach einem Burlington-Kauf nach Exxon-Mobil und Chevron die amerikanische Nummer drei bleiben, würde aber weiter zu den Spitzenreitern aufschließen. Die Gesellschaft war 2002 durch den Zusammenschluss von Conoco und Phillips Petroleum für 17 Mrd. Dollar entstanden. Im September 2004 beteiligte sich Conoco-Phillips mit einer Minderheitsbeteiligung an dem russischen Ölriesen Lukoil. Conoco-Phillips hatte im dritten Quartal 3,8 Mrd. Dollar verdient und 49,7 Mrd. Dollar umgesetzt.

Conoco-Phillips hatte kürzlich den Kauf einer deutschen Raffinerie in Wilhelmshaven von der Louis Dreyfus Energy Holdings angekündigt. Mit dem Kauf der Raffinerie mit einer Kapazität von 275 000 Barrels pro Tag würde die Firma ihre europäische Raffineriekapazität um 74 Prozent auf 647 000 Barrels pro Tag erhöhen. Die Transaktion solle im ersten Halbjahr 2006 vollzogen werden.

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