Conti-Aufsichtsrat
Koerfer: „Manchmal hilft nur ein Gewitter“

Die Personalie Karl-Thomas Neumann ist nicht die einzige, die am Mittwoch den Continental-Konzern bewegt hat. Auch Aufsichtsratschef Rolf Koerfer nimmt im Zuge der von Schaeffler forcierten Umstrukturierung seinen Hut. Im Gespräch mit dem Handelsblatt erklärt Koerfer, warum er Elmar Degenhart für den richtigen Mann an der Spitze hält - und was seine persönlichen Motive waren.

Handelsblatt; Herr Koerfer, wie werten Sie das Ergebnis der heutigen Aufsichtsratssitzung - hält der Kompromiss dieses Mal?

Koerfer: Ich bin zufrieden mit dem Ergebnis. Elmar Degenhart ist der richtige Mann, die Continental AG in diesen schwierigen Zeiten zu führen und die Herausforderungen zu bewältigen, vor denen die Continental AG steht. Er ist hervorragend qualifiziert und in der Automobilindustrie ein anerkannter Manager. Herr Degenhart ist im Übrigen nicht "übernahmebelastet", da er erst nach der Übernahme zu Schaeffler gestoßen ist und eine wesentlich längere Zeit für Continental AG tätig war, als für die Schaeffler Gruppe.

Kann Degenhart die Wunden heilen?

Mit seiner Bestellung zum Vorstandsvorsitzenden hat der Aufsichtsrat die Voraussetzung geschaffen, die aus meiner Sicht vollkommen unbegründete Kluft zwischen der Continental AG und ihrem Großaktionär zu überwinden und die Zusammenführung beider Unternehmen nunmehr zügig im Interesse aller Beteiligten umzusetzen. Es war zudem dringend erforderlich, den Vorstand zu erweitern und zu stärken. Mit Ralf Cramer, Helmut Matschi und Nikolai Setzer ziehen ausgezeichnete Fachleute in den Vorstand ein. Herr Degenhart verfügt somit über ein überzeugendes Vorstandsteam.

Mit dem Verlauf der vorletzten AR-Sitzung können Sie kaum zufrieden sein. Sie haben sich damit massive Kritik eingehandelt - würden Sie im Nachhinein etwas anders machen?

Das auch nach Vollzug der Übernahme andauernde Misstrauen zwischen der Continental AG und ihrem Großaktionär haben den auch im Interesse der Continental AG liegenden Prozess der Zusammenführung beider Unternehmen erheblich behindert. Dies hat uns zu einer Situation geführt, die im Hinblick auf die Interessen der Continental AG, ihrer Mitarbeiter, Kunden und Banken nicht länger tragbar war. Ich habe Verständnis dafür, dass nicht jeder mit dem Verlauf und dem Ergebnis dieser Aufsichtsratssitzung einverstanden ist, glaube aber, dass ich als Aufsichtsratsvorsitzender keine andere Wahl hatte, um den Weg für die nunmehr gefundene Kompromisslösung frei zu machen. Manchmal hilft nur ein "reinigendes Gewitter", auch wenn der ein oder andere, mich eingeschlossen, sich damit der Kritik aussetzt.

Sprechen wir über diese Kritik ...

... im Interesse der Sache ist eine öffentliche Diskussion über diese Kritik nicht nur unsinnig, sondern für den weiteren Prozess schädlich. Wir haben in der letzten Zeit leider schon zu viele Meinungsäußerungen von Personen gehört, die sich offensichtlich als Opfer des Zusammenschlusses von der Continental AG und Schaeffler betrachten. Um der großen Verantwortung aller Beteiligten gerecht zu werden, muss die Vergangenheit endlich begraben und der Blick ausschließlich nach vorne gerichtet werden. Ich bin überzeugt, dass es nunmehr möglich ist, eine ausschließlich von Sacherwägungen getragene Lösung der bestehenden Probleme herbei zu führen und damit den Weg für die Zusammenführung beider Unternehmen frei zu machen.

Was hat den Ausschlag dafür gegeben, dass Sie bereit sind, sich vom Amt des Chefaufsehers zurückzuziehen?

Ich habe das an mich herangetragene Amt des Aufsichtsratsvorsitzenden nicht zur Befriedigung meines persönlichen Ehrgeizes übernommen, sondern um die aus meiner Sicht, angesichts der schwierigen Lage beider Unternehmen, einzig sinnvolle Zusammenführung von Schaeffler und der Continental AG zu begleiten. Die Bestellung von Herrn Degenhart zum Vorstandsvorsitzenden und die personelle Verstärkung des Vorstandes ist für mich ein ganz wesentlicher Schritt zur Erreichung dieses Ziels. Wir haben einen Kompromiss gefunden, dass ich das Amt des Aufsichtsratsvorsitzenden nach Abschluss der Neuordnung des Vorstands, also insbesondere der Besetzung der vakanten Position des Finanzvorstandes, an eine andere, nicht so sehr als Vertreter der Schaeffler Gruppe empfundene Person, abgeben werde. Das ist ein weiterer Schritt zur Erreichung des Zieles, einen stabilen, weltweit führenden deutschen Automobilzulieferer zu schaffen. Wenn es im Interesse der Sache notwendig ist, alle Beteiligten ins Boot zu holen, muss man bereit sein, Kompromisse zu machen, ohne das Ziel aus den Augen zu verlieren.

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