Conti/Schaeffler
Kompromiss im Kapitalstreit

Seit Wochen streiten Conti und Großaktionär Schaeffler, wie der Autozulieferer an frisches Geld kommen soll. Nun scheint Conti ein Paket zu schnüren, das neben einer Kapitalerhöhung über die Ausgabe neuer Aktien auch die Platzierung von Anleihen enthalten soll.

DÜSSELDORF. Der Autozulieferer Continental und sein Großaktionär Schaeffler stehen offenbar vor einem Kompromiss, wie der akute Kapitalbedarf der Niedersachsen befriedigt werden soll. Demnach schnürt Conti ein Finanzierungspaket, das neben einer schon länger diskutierten Kapitalerhöhung über die Ausgabe neuer Aktien auch die Platzierung von Anleihen enthalten soll. Letztere sollen dem Vernehmen nach bis zu zwei Mrd. Euro in die Kasse spülen. Beide Unternehmen streiten seit Wochen darüber, wie Conti an frisches Geld kommt.

Die Hannoveraner brauchen das Eigenkapital, um nicht wegen einer ungünstigen Kapitalausstattung unter Druck ihrer Schuldnerbanken zu geraten. Zudem müssen sie im nächsten August eine Kredittranche über 3,5 Mrd. Euro ablösen.

Conti hatte bisher die Ausgabe neuer Aktien bevorzugt, um das Geld einzusammeln. Großaktionär Schaeffler zögert das hinaus, weil die Franken eine Verwässerung ihrer Anteile fürchten. Aufgrund eigener Finanznöte könnte das Familienunternehmen bei einer Kapitalerhöhung nicht mitziehen. Das hätte fatale Folgen für die Pläne der Franken mit ihrem niedersächsischen Konkurrenten. Sollte Schaefflers Anteil unter 75 Prozent fallen, kann Schaeffler Conti weder beherrschen noch einen Gewinnabführungssvertrag abschließen. Derzeit hält Schaeffler knapp 90 Prozent an Conti, davon 49,9 Prozent direkt. Der Rest ist bei Banken geparkt.

Durch die Ausgabe von Anleihen könnte der MDax-Konzern Conti seine Abhängigkeit von den Hauptgläubigern verringern, ohne den Interessen von Großaktionär Schaeffler zu schaden. Erst vor wenigen Wochen hat der Baustoffhersteller Heidelcement vorgemacht, wie sich eine solche Umklammerung auflösen lässt. Der ebenfalls bei den Banken verschuldete Konzern gab im September für 2,2 Mrd. Euro neue Aktien aus und platzierte vor wenigen Tagen Unternehmensanleihen im Volumen von 2,5 Mrd. Euro.

Die Gelegenheit einer Anleiheemission wäre auch für Conti günstig. Angesichts rückläufiger Renditen bei Unternehmensanleihen mit hoher Bonität fragen Investoren nach zwei Jahren Pause auch wieder "Schrottpapiere" nach. Wie Heidelcement erhält Conti derzeit schwache Noten von den Ratingagenturen. Mit einem "B+" von S&P sind beide Konzerne ein spekulatives Investment. Ob Conti ein ähnlich hohes Interesse für eine Anleihe erzielen könnte, ist laut Marc-Rene Tonn, Analyst bei M.M. Warburg, "eine Frage der Preisgestaltung".

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