Conti - Schaeffler
Schröder stellt Contis Chefaufseher Ultimatum

Alt-Bundeskanzler Gerhard Schröder stellt die geplante Ablösung von Conti-Chef Neumann in Frage. Der Ex-Politiker, der als Garant der Investorenvereinbarung zwischen Continental und Schaeffler fungiert, hat Contis Chefaufseher Rolf Koerfer jetzt ein Ultimatum gestellt: Bis Montag will Schröder offene Fragen zu dem Fall geklärt sehen. Andernfalls könnte er die Abwahl scheitern lassen.

HAMBURG. Der ehemalige Bundeskanzler Gerhard Schröder (SPD) untersucht immer intensiver einen möglichen Bruch der Investorenvereinbarung zwischen dem niedersächsischen Autozulieferer Continental und seinem fränkischen Großaktionär Schaeffler. In einem Brief, den Schröder Donnerstag an Contis Chefaufseher Rolf Koerfer versandt hat, stellt er Fragen zu den Details der geplanten Ablösung von Conti-Chef Karl-Thomas Neumann. Das erfuhr das Handelsblatt aus Kreisen des Aufsichtrates, dem der Brief in Kopie vorliegt. Der Ex-Politiker gibt Koerfer bis Montag Zeit, den Sachverhalt aufzuklären, ansonsten könne eine für Mittwoch geplante Aufsichtsratssitzung, auf der Schaeffler erneut Neumann abwählen lassen will, nicht stattfinden.

Schröder hatte am Mittwoch angekündigt, eine rechtliche Prüfung der von Schaeffler betriebenen Neumann-Ablösung vornehmen zu lassen und hat dazu einen renommierten Anwalt beauftragt. Nach Informationen des Handelsblattes handelt es sich dabei um den Münchner Juristen Reinhard Pöllath, der auf die Beratung von Familienunternehmen und den Unternehmenskauf spezialisiert ist. Pöllath ist erfahren in Konflikten, so befriedete er vor einigen Jahren den Streit innerhalb der Investorenfamilie Herz (Tchibo, Beiersdorf). Schröders Schreiben beigefügt sind fünf Seiten, in denen Pöllath seinen Anwaltskollegen Koerfer, der Düsseldorfer Partner der Kanzlei Allen & Overy ist, bittet, den Sachverhalt aufzuklären.

Der Ex-Kanzler fungiert als Garant der Investorenvereinbarung, die am Ende des Übernahmekampfes vor einem Jahr geschlossen wurde, und kann einen Bruch des Vertragswerks jederzeit vor Gericht geltend machen. Contis Chefaufseher Koerfer ist zugleich Rechtsberater von Schaeffler. Das Familienunternehmen hält direkt 49 Prozent der Conti-Aktien. Weitere 40 Prozent sind bei befreundeten Banken geparkt.

Koerfer und die vier weiteren Schaeffler-Vertreter in Contis Kontrollgremium hatten vergangenen Donnerstag versucht, Conti-Chef Neumann aus dem Amt zu hebeln - scheiterten aber am erbitterten Widerstand der Arbeitnehmerbank. In einer ersten Abstimmung wären zwei Drittel der Stimmen nötig gewesen. Nachdem der Vermittlungsausschuss am selben Abend gescheitert war, steht für Mittwoch eigentlich eine weitere Abstimmung an.

Schröders Brief stellt aber Fragen zu der Grundlage des Vorgehens gegen Neumann. Konkret geht es dabei um den Paragrafen 84 des Aktiengesetztes: Demnach muss ein "wichtiger Grund" zur Abberufung eines Vorstands oder Vorstandschefs vorliegen. Wörtlich heißt es: "Ein solcher Grund ist namentlich grobe Pflichtverletzung, Unfähigkeit zur ordnungsmäßigen Geschäftsführung oder Vertrauensentzug durch die Hauptversammlung, es sei denn, dass das Vertrauen aus offenbar unsachlichen Gründen entzogen worden ist." Pöllath zieht offenbar in Zweifel, ob wirklich ein solcher Grund im Fall von Neumann vorlag - und liegt.

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