Contiental/Schaeffler
Pischetsrieder soll Conti-Aufseher werden

Der frühere VW-Chef Bernd Pischetsrieder könnte an die Spitze des Aufsichtsrats von Continental rücken. Nach Informationen aus Branchenkreisen ist der VW-Manager der letzte verbliebene Name von den intern im Kontrollgremium ausgemachten Kandidaten.

FRANKFURT. Der ursprünglich anvisierte Linde-Chef Wolfgang Reitzle hat nach Informationen des Handelsblatts inzwischen ebenso abgewunken wie auch Thyssen-Krupp-Manager Ulrich Middelmann und Ex-Daimler-Finanzchef Manfred Gentz. Sprecher von VW und Conti wollten dies am Wochenende nicht bestätigen.

Hinter den Kulissen macht sich nach Informationen des "Spiegel" offenbar Commerzbank-Chef Martin Blessing für Pischetsrieder stark. Als Vertreter der Gläubigerbanken übt Blessing im Hintergrund einen maßgeblichen Einfluss auf die Suche aus. Nach Einschätzung aus Bankkreisen habe es jedoch noch keine endgültige Entscheidung für einen Kandidaten gegeben.

Der bisherige Conti-Chefkontrolleur Rolf Koerfer, ein Vertrauter von Großaktionär Schaeffler, will seinen Posten niederlegen, sobald ein Finanzvorstand gefunden und der Vorstandsumbau beim hannoverschen Autozulieferer abgeschlossen ist. Koerfer soll dem Aufsichtsrat dann aber weiter angehören. Der Wechsel an der AR-Spitze ist ein Kompromiss nach dem von Schaeffler erzwungenen Abgang des bisherigen Conti-Chefs Karl-Thomas Neumann. Dieser wurde vergangene Woche durch den Schaeffler-Manager Elmar Degenhart ersetzt. Neumann war in Ungnade gefallen, nachdem er den Großaktionär Schaeffler kritisiert hatte.

Der Bayer war Ende 2006 auf Betreiben von VW-Aufsichtsratschef Ferdinand Piech vorzeitig aus dem Chefsessel des VW-Konzerns vertrieben worden und etwas später durch den bisherigen Audi-Chef und Piech-Intimus Martin Winterkorn ersetzt worden. Das Verhältnis zwischen Pischetsrieder und dem einflussreichen Piech gilt seitdem als schwierig. Piech hatte nach der Abberufung von Pischetsrieder dessen Bestellung an die Spitze des VW-Konzerns öffentlich als einen Fehler bezeichnet und kein gutes Wort mehr für seinen ehemaligen Spitzenmanager gefunden. Da Pischetsrieder aber im Sommer 2006 erst einen neuen Fünfjahresvertrag vom VW-Aufsichtsrat erhalten hatte, steht der leidenschaftliche Zigarrenraucher bis heute weiter in den Diensten von VW, auch wenn er in den vergangenen Jahren öffentlich nicht mehr Erscheinung getreten ist. Pischetsrieder habe aber weiter ein Büro im Vorstandshochhaus in Wolfsburg und sei für den Vorstand beratend tätig, heißt es.

Die Hauptaufgabe von Pischetsrieder als Conti-Aufsichtsratschef wird sein, die zerstrittenen Parteien im Kontrollgremium wieder zusammenzuführen. Der Automanager, der neben VW zuvor bereits auch BMW leitete, wird dafür viel Fingerspitzengefühl und diplomatisches Geschick an den Tag legen müssen. „Vorstellen kann ich mir das schon“, sagte ein VW-Manager. „Pischetsrieder kann gut integrieren und Leute mitnehmen.“ Im Umgang mit dem als empfindlich geltenden Piech hat Pischetsrieder dieses Talent indes nicht immer an den Tag gelegt und schon mal öffentlich an dessen Lieblingsprojekt, dem VW-Topmodell Phaeton, herumgemäkelt. Piech und Teile des VW-Aufsichtsrates warfen ihm am Ende aber vor allem vor, ein Zauderer zu sein, der schwierige Entscheidung gerne vertagt habe. Eine solche Schwäche wird sich der Manager mit dem König-Ludwig-Bart im Kontrollgremium von Conti allerdings nicht leisten können.

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