Continental
Conti und Schaeffler: Brüchiger Frieden

Im Machtkampf zwischen Conti und Schaeffler ist ein Durchbruch gelungen - so scheint es. Doch der Kompromiss ist nur ein Zwischenschritt. Die nächsten Konflikte zeichnen sich schon ab. Eine Analyse.

Der Burgfrieden von Hannover hing am seidenen Faden - bis zuletzt. Eigentlich hatten im Dauerstreit um Continental schon alle Zustimmung zum großen Kompromiss signalisiert: Großaktionär Schaeffler, die Arbeitnehmer, die Politiker Gerhard Schröder (SPD) und Christian Wulff (CDU) ebenso wie Commerzbank-Chef Martin Blessing als entscheidender Kreditgeber. Doch dann verkündete Chefaufseher Rolf Koerfer gestern Morgen für manche überraschend, er wolle seinen Platz "mittelfristig" räumen und nicht schon in ein paar Wochen. Der Vorstoß brachte die Arbeitnehmer und Vertreter der Kapitalseite auf die Barrikaden, noch bevor mittags die Aufsichtsratssitzung begann.

Am Ende raufte man sich zusammen. Zu viel stand auf dem Spiel. "Es war die letzte Chance für eine friedliche Einigung", sagt ein Insider. Also ließ man den genauen Zeitpunkt für Koerfers Rücktritt als Chefkontrolleur offen. Er werde aber Platz für einen externen Kandidaten machen, sobald die neue Führungsspitze komplett steht. Damit war auch der Weg frei für den Wechsel an der Vorstandsspitze: Der Niedersachse Karl-Thomas Neumann geht, Schaeffler-Mann Elmar Degenhart kommt. Mit einem dürren Satz des Danks - von erfolgreicher Arbeit war nicht die Rede - wurde Neumann nach gut zweistündiger Sitzung in die Wüste geschickt.

Ein Durchbruch also im zwölfmonatigen Ringen um die Macht bei Conti - so scheint es. Doch die Details der Einigung bergen schon den Zündstoff für den nächsten Konflikt. "Es erinnert alles an Nahost. Es herrscht zwar Waffenruhe, aber das ist bestenfalls ein brüchiger Frieden", heißt es in politischen Kreisen in Hannover. Das Grundproblem bleibt: Noch sind die Schaefflers, die sich mit der Übernahme des viel größeren Konzerns Conti finanziell verhoben haben, nicht am Ziel. Immer noch misstraut die Conti-Seite dem Großaktionär.

Es ist kein Zufall, dass die Einigung in letzter Minute an der Person Koerfer zu scheitern drohte. Der unglücklich agierende Rechtsanwalt musste viel Kritik einstecken in den vergangenen Wochen. Der Schaeffler-Vertraute habe es nie verstanden, zwischen den Interessen des Großaktionärs und der Continental AG, der er als Chefaufseher verpflichtet ist, zu unterscheiden, sagen selbst Kollegen auf der Kapitalseite im Aufsichtsrat. Auch wenn die andere Seite mit ihrem permanenten Störfeuer genauso schuld war, die Krise haben Koerfer und die Schaefflers jedenfalls nicht ideal gemanagt. Wegen schlechter Vorbereitung kam es bei der Aufsichtsratssitzung Ende Juli zum Eklat, als die Schaefflers Neumann absetzen wollten. Die Arbeitnehmer waren nicht eingeweiht - und legten prompt ihr Veto ein. Besonders gefährlich wurde es für die Schaefflers, als sich Ex-Bundeskanzler Schröder als Garant der Investorenvereinbarung einschaltete und mit einstweiliger Verfügung gegen Neumanns Abberufung drohte.

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