Continental
Österreich verliert sein letztes Reifenwerk

Nach einem massivem Absatzeinbruch im Reifengeschäft schließt Continental das traditionsreiche Semperit-Werk südlich von Wien. Knapp 200 Angestellte verlieren ihren Arbeitsplatz und Österreich seine letzte Reifenfabrik. Ein Stück automobiler Industriegeschichte geht zuende.

WIEN. Der hannoversche Automobilzulieferer Continental stellt seine Reifenfertigung in Österreich endgültig ein. Der Konzern teilte am Dienstag mit, dass das frühere Semperit-Werk in Traiskirchen südlich von Wien zum Jahresende geschlossen wird. Knapp 200 Beschäftigte werden dadurch ihren Arbeitsplatz verlieren. Continental begründete die Schließung mit dem von der Autokrise ausgelösten massiven Absatzeinbruch im Reifengeschäft. Außer dem deutschen Konzern wollen auch die Wettbewerber Michelin und Goodyear Arbeitsplätze streichen.

In Österreich ist die Aufregung über die Schließung der letzten Semperit-Reifenfabrik besonders groß. Die Alpenrepublik verliert damit ein Stück automobiler Industriegeschichte. Allerdings kommt die Ankündigung von Continental auch nicht völlig überraschend. Der Konzern hatte seine Reifenfertigung dort schon in den vorangegangenen Jahren Schritt für Schritt verkleinert. Das Werk im kleinen Traiskirchen, das jetzt geschlossen werden soll, ist der letzte Rest der früher einmal bedeutenden Semperit-Reifenproduktion. Die 200 Mitarbeiter, die jetzt zum Jahresende ihren Arbeitsplatz verlieren werden, haben nur noch Kautschuk-Granulate als Vorprodukt für die Reifenfertigung hergestellt.

Im Jahr 1985 hatte Continental die Semperit-Reifensparte zusammen mit deren Tochtergesellschaften Sava (Slowenien) und Barum (Tschechien) übernommen. Schon im Jahr 2002 war die Reifenproduktion aus Traiskirchen komplett nach Tschechien verlagert worden. Künftig wird es am Conti-Reifenstandort in Österreich nur noch eine Vertriebsniederlassung geben. Continental sieht keine Alternative zur Werksschließung. Der Konzern reagiere auf die anhaltenden Verkaufseinbrüche im Geschäft mit PKW-Reifen, sagte ein Sprecher. In Europa gebe es Überkapazitäten von 18 Millionen Reifen.

Nicht nur in Österreich, sondern überall in Westeuropa droht der Reifenfertigung jetzt das Aus. Branchenexperten vermuten, dass die aktuelle Krise die schon länger anstehende Umstrukturierung unter den Reifenherstellern lediglich beschleunigt. Continental hatte bereits im März angekündigt, dass der Konzern im nordfranzösischen Clairoix und am Stammsitz in Hannover zwei Reifenwerke schließen will. Dadurch werden voraussichtlich etwa 1 900 Arbeitsplätze verloren gehen.

Continental hatte das Ende der Reifenproduktion schon länger vorausgesehen. Das Unternehmen versucht deshalb, sich zu einem Automobilzulieferer zu entwickeln, der mit hohem Forschungsaufwand intelligente Produkte für die Fahrzeugbranche entwickelt. Dieser Neuausrichtung diente beispielsweise auch der Kauf des Konkurrenten Siemens VDO.

Andere Reifenhersteller geraten durch die Krise ebenfalls unter Druck. Marktführer Michelin wird wahrscheinlich 1 500 Stellen in zwei französischen Werken streichen. Ein Unternehmenssprecher lehnte es gestern ab, über konkrete Zahlen zu sprechen. Der US-Reifenkonzern Goodyear hatte bereits angekündigt, dass in Amiens nördlich von Paris gut 800 Arbeitsplätze gestrichen werden. zel

Stefan Menzel ist beim Handelsblatt der Spezialist für die Automobilbranche.
Stefan Menzel
Handelsblatt / Korrespondent Automobilindustrie
Serviceangebote
Zur Startseite
-0%1%2%3%4%5%6%7%8%9%10%11%12%13%14%15%16%17%18%19%20%21%22%23%24%25%26%27%28%29%30%31%32%33%34%35%36%37%38%39%40%41%42%43%44%45%46%47%48%49%50%51%52%53%54%55%56%57%58%59%60%61%62%63%64%65%66%67%68%69%70%71%72%73%74%75%76%77%78%79%80%81%82%83%84%85%86%87%88%89%90%91%92%93%94%95%96%97%98%99%100%