Continental
Schaeffler steckt im Interessenkonflikt

Für den Autozulieferer Continental geht es bei der erwarteten Abstimmung über eine Kapitalerhöhung morgen im Aufsichtsrat ums Ganze. Ohne frisches Geld wird eine Lösung der Refinanzierungsprobleme noch schwieriger. Doch kurz vor der entscheidenden Sitzung ist offen, ob alle Kontrolleure bei dem Schlüsselthema überhaupt mitstimmen dürfen.

MÜNCHEN/HAMBURG. Experten fordern, dass sich die Schaeffler-Vertreter im Conti-Aufsichtsrat wegen eines möglichen Interessenkonflikts enthalten sollten. Schließlich könnte ein Kapitalerhöhung zwar im Interesse von Conti sein – der Großaktionär Schaeffler müsste aber eine Verwässerung seiner Anteile in Kauf nehmen. Conti-Manager Thorsten Reese, der die Führungskräfte im Aufsichtsrat vertritt, fordert deshalb: „Die Schaeffler-Vertreter müssen als Aufsichtsräte aus Contis Sicht blicken.“

Juristisch ist die Lage nicht eindeutig. „Interessanterweise sind die Fragen rechtlich noch nicht wirklich geklärt“, sagt Spezialist Markus Roth vom Max-Planck-Institut für ausländisches und internationales Privatrecht, der mit Ex-Institutsleiter Klaus Hopt einen einschlägigen Kommentar zur Rolle des Aufsichtsrats im Aktiengesetz verfasst hat.

Grundsätzlich dürften die Vertreter von Schaeffler im Conti-Aufsichtsrat eigene Interessen vertreten. „Der Aufsichtsrat war ja historisch eine Art Marktplatz, damit die verschiedenen Interessen zu einem Ausgleich kommen“, erläutert Roth. Allerdings wird in der modernen Corporate-Governance-Debatte der Fokus auf die Unabhängigkeit gelegt. Nach dieser Logik müssten sich Aufsichtsräte der Stimme enthalten, wenn sie sich in einem massiven Interessenskonflikt befinden. Die Vorstände der Deutschen Bank etwa dürfen laut Geschäftsordnung im Aufsichtsrat eines Unternehmens im Fall von unvermeidbaren Interessenkonflikten nicht an den entsprechenden Beratungen und Abstimmungen teilnehmen. Als der MAN-Aufsichtsrat über den Kauf des Lkw-Geschäftes von VW beraten hat, enthielten sich Volkswagens Chefaufseher Ferdinand Piëch und Audi-Chef Rupert Stadler der Stimme. VW-Nutzfahrzeuge-Chef Stephan Schaller hatte gar nicht erst teilgenommen.

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