Continental
Sperrige Braut, stürmischer Bräutigam

Die Finanzkrise und zäher Widerstand aus Hannover erschweren der Schaeffler-Gruppe die Übernahme des Autozulieferers Continental. Ob die spektakuläre Übernahme gelingt, gehört zu den spannensten Fragen der deutschen Wirtschaft 2009.

MÜNCHEN/HAMBURG. Die Unternehmerin Maria-Elisabeth Schaeffler hat eine altmodische Auffassung von Pflichterfüllung. Mitarbeiter des Wälzlagerherstellers aus dem fränkischen Wirtschaftszentrum Herzogenaurach nennen sie "mütterlich, fürsorglich und greifbar". Zur Arbeit kommt die Österreicherin, eine der reichsten Frauen Europas, im Audi A3, den sie selbst in die Tiefgarage fährt. Die Rentner des Unternehmens begrüßt sie persönlich im schlichten Vereinshaus.

Die zähe Dame mit der Betonfrisur bewahrte nach dem Tod ihres Mannes vor zwölf Jahren nicht nur das Erbe für ihren Sohn Georg (44), sondern baute es durch Zukäufe wie FAG Kugelfischer aus. Ihr zur Seite standen in den schweren ersten Monaten an der Firmenspitze zwei ganz unterschiedliche Männer: Hubertus von Grünberg, damals noch mit Mitte 50 Chef des erheblich größeren Autozulieferers Continental aus Hannover, und das durchsetzungsfähige Führungstalent Jürgen Geißinger.

Heute entscheidet der Konflikt zwischen den beiden Topmanagern die Zukunft des Schaeffler?schen Erbes - und die von Conti gleich mit. Spätestens mit der am vergangenen Freitag erteilten EU-Genehmigung sind die Niedersachsen auf dem Weg, Teil des fränkischen Familienimperiums zu werden. Über die Art und Weise streiten sich ausgerechnet die Schaeffler-Vertrauten von Grünberg, heute Chefkontrolleur von Continental, und Geißinger, der an der Spitze des im spektakulären Übernahmekampf siegreichen Wälzlagerherstellers steht.

Als Schaeffler im August die Übernahme des Conti-Konzerns verkündete, da herrschte noch nicht Sorge, sondern Respekt. Da hatte eine tatkräftige Unternehmerin den Dax-Konzern, der in den vergangenen Jahren vor allem durch Übernahmen wie zuletzt VDO gewachsen war, mit den eigenen Waffen niedergerungen.

Doch für Schaeffler hätte es nach Verkündung der Offerte schlechter kaum laufen können. Den Franken wurden für 75 Euro pro Stück fast alle Conti-Aktien angedient, obwohl sie im ersten Schritt nur 49,9 Prozent übernehmen wollen. Dadurch ist der Kapitalbedarf enorm gestiegen. Das Familienunternehmen hatte ein Konsortium von sechs Banken angeworben. Die Kreditinstitute standen gern bereit. Commerzbank, Hypo-Vereinsbank, Dresdner, ABN Amro, die Royal Bank of Scotland und die LBBW wollten sich nicht lumpen lassen. Eine Hintertür ließen sie sich nicht offen, gegen eine höhere Gebühr machte Schaeffler die Finanzierung bombenfest.

Doch seit Verkündung des Deals hat sich das Wirtschaftsklima in einem Maße verschlechtert, das niemand erwarten konnte. Die Krise ist da. Der Finanzierungsbedarf ist erheblich gestiegen. Die Banken aus dem Konsortium schafften es nicht, die Kredite wie üblich weiterzureichen.

Und das Klima zwischen den beiden so unterschiedlichen Unternehmen ist - Webfehler der Übernahme - von Anfang an vergiftet. Das lag wesentlich an der Taktik Schaefflers, mit verdeckten Karten zu spielen. Unbemerkt hatten sich die Franken über Optionen mehr als 30 Prozent der Conti-Anteile gesichert, bevor sie sich an die Niedersachsen wandten.

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