Continental-Übernahme
Schaeffler geht voll ins Risiko

Die geplante Übernahme des Dax-Konzerns Continental wird für das Familienunternehmen Schaeffler zu einem riskanten finanziellen Kraftakt. Zwar betonte ein Sprecher, das Angebot sei solide durchfinanziert. Doch die Anleger sehen die hohe Verschuldung skeptisch.

FRANKFURT / DÜSSELDORF. Bei einer Mehrheitsübernahme von Continental würden die gesamten Verbindlichkeiten der Schaeffler-Gruppe von bislang 1,7 Mrd. Euro auf 31 Mrd. Euro in die Höhe schnellen. Das geht aus den am Mittwoch veröffentlichten und von der Finanzaufsicht BaFin genehmigten 64-seitigen Angebotsunterlagen an die Aktionäre hervor. Ein Schaeffler-Sprecher betonte, dass dies kein Problem für das Unternehmen sei, da das Angebot solide durchfinanziert sei.

Bei Anlegern stieß die hohe Verschuldung indes auf Skepsis. Ein bei Conti engagierter institutioneller Investor kündigte im Gespräch mit dem Handelsblatt an, sich Schaefflers Finanzkraft genau anzusehen. "Entscheidend ist die Frage, ob das Angebot solide ist oder ob es noch finanzielle Risiken gibt", sagte ein Manager des Instituts, das mehrere Millionen Aktien hält. "Die Details werden wir nun in Ruhe prüfen."

Doch Schaeffler drückt mit der Vorlage der Offerte kräftig aufs Tempo. Die Aktionäre des im Dax 30 notierten Autozulieferers können das Übernahmeangebot der Schaeffler-Gruppe von 70,12 Euro pro Aktie seit Mittwoch annehmen. Die Frist ende am 27. August und könnte noch bis zum 10. September verlängert werden, teilte der Wälzlagerhersteller mit. "Wir bieten einen fairen Preis", sagte Schaeffler-Geschäftsführer Jürgen Geißinger. Conti nahm die Offerte mit Achselzucken auf und kündigte an, dass Aufsichtsrat und Vorstand sich fristgemäß dazu äußern würden. Eine Ablehnung des jetzigen Schaeffler-Angebots gilt intern als sicher.

Das Tauziehen um Conti geht damit in die heiße Phase. Schaeffler hatte Mitte Juli ein offizielles Angebot für den dreimal größeren Autozulieferer aus Hannover angekündigt und sich bereits den Zugriff auf 36 Prozent der Conti-Aktien gesichert - zum Teil mittelbar über Aktientauschgeschäfte, sogenannte Swaps. Conti Wennemer-Chef hatte Schaefflers Vorgehen zunächst als "egoistisch, selbstherrlich" und "rechtswidrig" gegeißelt. Im Aufsichtsrat hatten sich die Hannoveraner dann jedoch auf eine versöhnlichere Linie festgelegt und Schaeffler die Tür geöffnet, wenn die Franken die vorliegende Offerte noch einmal angemessen erhöhen oder sich mit einer Beteiligung von 20 Prozent zufriedengeben sollten. Darauf wird sich die Eigentümerin des Familienkonzerns, Maria-Elisabeth Schaeffler, wohl kaum einlassen. Schaeffler-Chef Geißinger hat stets betont, Ziel sei eine strategische Beteiligung von über 30 Prozent an Conti, nicht notwendigerweise aber die Übernahme einer Mehrheit.

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