Continental-Übernahme
Schaeffler: Wenn Angreifer sich anschleichen

Die erfolgreiche Anschleich- und Überrumpelungstaktik von Schaeffler bei Conti hat negative Folgen für den Finanzplatz Deutschland. Die Art und Weise wie sich das Familienunternehmen den Großkonzern einverleibt hat stellt Firmen und Banken vor eine neue Herausforderung. Ein Gegenmittel ist jedoch nicht in Sicht.

FRANKFURT. Nachdem der Schaeffler-Deal funktioniert hat, wäre es ein Irrglaube anzunehmen, "andere Übernahme-Interessenten würden nicht ebenfalls versuchen, die Meldepflichten zu umgehen", warnt Norbert Bröcker, Partner der Anwaltssozietät Hoffmann Liebs Fritsch & Partner.

Es werde sicherlich keinen Run geben, aber das Modell könnte auch andere Übernahme-Interessenten locken, bestätigte Axel Gollnick, geschäftsführender Partner des Übernahmeberaters M&A International, diese Einschätzung. "Wer allerdings jetzt ein solches Vorgehen planen sollte, der muss sich darüber im Klaren sein, dass er dann alle Mündungsrohre auf sich gerichtet hat", so Gollnick weiter. Für Bröcker wäre das allerdings ein Zustand, der rechtspolitisch inakzeptabel wäre und den Finanzplatz Deutschland schwächen würde.

Anlass der Sorge: Schaeffler hatte mit der Investmentbank Merrill Lynch ein sogenanntes Swap-Geschäft über 28 Prozent der Continental-Aktien vereinbart. Das Familienunternehmen hatte sich so kombiniert mit weiteren Anteilen Zugriff auf 36 Prozent des Dax-Unternehmens gesichert, ohne dies zu melden. Das hatte beim Conti-Management, aber auch bei Investoren im In- und Ausland Kritik ausgelöst.

Die Rede war von einem "Anschleichen vorbei am Management und den anderen Aktionären". Das Heranschleichen schade dem Investitions- und Börsenstandort Deutschland, hatte Henning Gebhardt von der Fondsgesellschaft DWS, eine Tochter der Deutschen Bank, geklagt. Auch am Donnerstag wurde bei Investoren Kritik laut, wenngleich nur hinter vorgehaltener Hand. "In den USA oder hier in Großbritannien wäre so etwas nicht möglich gewesen. Das ist für Investoren, die auf Transparenz angewiesen sind, ein Tiefschlag", klagte ein Manager einer großen britischen Fondsgesellschaft.

Den Regularien entsprechend, müssen Anteilseigner Meldung erstatten, sofern ihr Aktienbesitz die Schwellen von drei, fünf, zehn, 15, 20, 25, oder 30 Prozent überschreitet. Ab 30 Prozent ist zudem ein Pflichtangebot an sämtliche Aktionäre vorgeschrieben. Das Problem im Fall Conti: Zählen Swap-Geschäfte zum Aktienbesitz oder nicht?

Die Finanzaufsicht BaFin verneinte dies am Donnerstag ausdrücklich. Der Swap-Deal sei ein "Differenzgeschäft", bei dem es um einen Barausgleich aus Wetten auf steigende und fallende Kurse gehe. Es sei nicht "auf die effektive Lieferung von Aktien ausgerichtet" argumentieren die Aufseher.

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