Continental und Schaeffler
Wennemer auf verlorenem Posten

Mit VDO hatte er sich übernommen, seiner eigener Aufsichtsratschef arbeitete gegen ihn und selbst die Kunden liefen schnell über: Conti-Chef Manfred Wennemer hatte gegen die Schaefflers nie eine Chance - die Insidestory seines vergeblichen Abwehrkampfes.

FRANKFURT/HANNOVER. Mathematiker lieben Zahlen. Sie sind so ordentlich, so logisch, so vorhersehbar. Eins plus eins ist zwei. Das ist so, und das bleibt so. Und wenn hinter dem Gleichheitszeichen mehr herauskommen soll, muss vorne mehr hinein. Ganz einfach.

Manfred Wennemer ist Mathematiker. An der Universität Münster studierte der Sohn eines Münsterländer Dorfpolizisten einst die Geheimnisse der Zahlenwelt, und nach dem Diplom 1973 führten die Zahlen Wennemer, ihren Meister, steil nach oben. Immer weiter. Bis auf den Chefsessel eines der größten Autozulieferers der Welt, der Continental AG. Wennemer rechnete, und Conti wuchs. Bis Mittwochnacht. Da war klar: Am Schluss hatte sich Manfred Wennemer, der Mathematiker, verrechnet.

Um 1:42 Uhr ist es so weit. Das Hannoveraner Dax-Unternehmen verkündet den Abschluss einer "weitreichenden Investorenvereinbarung" mit der fränkischen Schaeffler-Gruppe. Der Abwehrkampf gegen den dreimal kleineren Angreifer aus Herzogenaurach ist verloren. Und nur neun Minuten später folgt der nächste, einzig logische Schritt: In zwölf dürren Zeilen teilt Conti den Abschied von Manfred Wennemer mit - zwölf Zeilen nach sieben Jahren als Vorstandschef. Wennemer hat seinen Rücktritt angeboten, und die 20 Conti-Aufsichtsräte haben im Rahmen einer Telefonkonferenz angenommen. Eine Ära ist zu Ende.

Finanziell kann sich Wennemer wohl gesundrechnen. Die Details des Auflösungsvertrages sind zwar geheim. Doch wäre er gefeuert worden, hätten ihm gut zehn Millionen Euro für den Rest seiner Vertragslaufzeit bis 2011 zugestanden. Das sei wohl kein schlechter Anhaltspunkt für die Höhe seiner Abfindung, sagen Insider.

Aber ideell ist Manfred Wennemer der große Verlierer. Der Traum des Managers von einem starken niedersächsischen Konkurrenten des weltgrößten Autozulieferers Bosch ging in den frühen Morgenstunden des 21. August 2008 zu Ende.

Eigentlich war er schon ausgeträumt, als Wennemer am 11. Juli vom Angriff der Schaeffler-Gruppe erfuhr. Nur wusste Wennemer das damals wohl selbst noch nicht. Allenfalls ahnte er die Gefahr; wie groß sie wirklich war, blieb ihm verborgen.

Die Gründe für seine Niederlage gehen jedoch viel weiter zurück, eigentlich bereits zum Moment seiner Beförderung zum Conti-Chef anno 2001. Urheber: Ex-Conti-Chef Hubertus von Grünberg, jener Aufsichtsratschef, der seinem Vorstand in der Stunde höchster Not - als Schaefflers Pläne bekanntwerden - die Gefolgschaft verweigert. Während Wennemer sich noch mit aller Kraft gegen die Attacke stemmen will, deutet Grünberg bereits Verhandlungsbereitschaft an.

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