Contracting: Energiesparen wird zum guten Geschäft

Contracting
Energiesparen wird zum guten Geschäft

Angesichts des wachsenden Kostendrucks erlebt Contracting bei Gewerbe-Immobilien und in Produktionsbetrieben einen starken Aufschwung. Allein mit der Wohnungswirtschaft setzen die Anbieter heute rund eine halbe Mrd. Euro um. Angesichts einer Marktdurchdringung von gerade einmal 30 Prozent sind die Perspektiven bestens.

DÜSSELDORF. Rüdiger Peter Quint kann sich über das Wachstum seines Unternehmens nicht beklagen. Im vergangenen Geschäftsjahr ist der Umsatz der Gasag Wärme-Service (GWS), einer Tochter der Berliner Gaswerke, um satte 75 Prozent auf 63 Mio. Euro gestiegen. Doch Firmenchef Quint will mehr: "Unser Geschäft bietet noch riesiges Potenzial", sagt er. "Und wir werden dieses rasch nutzen."

Contracting heißt das Geschäftsmodell, mit dem Quint die Einnahmen seit Jahren zu neuen Rekorden führt. Für Krankenhäuser oder die Wohnungswirtschaft entwickelt GWS sparsame Energiekonzepte und setzt diese auch um. Dank höherer Effizienz bei Strom- oder Wärmeversorgung werden Kunden Kostensenkungen über einen Fixpreis garantiert. Auch die Umwelt profitiert: So hat GWS beim Martin-Luther-Krankenhaus in Berlin den CO2-Ausstoß dank des Einsatzes neuer Blockheizkraftwerke und Kraft-Wärme-Kopplung um 900 Tonnen pro Jahr gesenkt. 750 000 Euro ließ sich der Versorger die Investitionen in die Anlagen kosten, die er seither betreibt.

In einem Vortrag hat GWS-Chef Quint im vergangenen Oktober zahlreiche Risiken für das klassische Geschäft der Strom- und Gaswirtschaft aufgezählt: Kundenverluste angesichts des zunehmenden Wettbewerbs, sinkende Erlöse wegen regulierter Netzentgelte, Margendruck durch Preiskontrolle und ein schwieriges Umfeld für neue Kraftwerke. Contracting biete "als eigenes Geschäftsfeld mit eigenständiger Marge" eine klare Wachstumschance. Thomas Hein, Bereichsleiter Vertrieb/Contracting beim Marktforschungs-Unternehmen Trend-Research, bestätigt: "Contracting ist einer der wenigen Märkte in Deutschland, in dem die Energieversorgungs-Unternehmen steigende Umsätze und Erträge erzielen können."

Rund 500 Unternehmen umfasst die deutsche Energie-Contracting-Branche derzeit laut Trend-Research. Allein mit der Wohnungswirtschaft setzen die Anbieter heute rund eine halbe Mrd. Euro um. Angesichts einer Marktdurchdringung von gerade einmal 30 Prozent sind die Perspektiven bestens.

Ein Anstieg auf 90 Prozent sei möglich, hat Johannes Ruhland, Professor am Institut für Energiewirtschaft der Universität in Jena ermittelt - und das hätte eine enorme Wirkung: Schon die Lieferung von Wärme durch Spezialisten könnte Einsparungen von rund zehn Mrd. Euro, 27 Mio. Tonnen CO2 und 120 Terawattstunden Energie bringen.

Das eigene Geschäftsmodell hält die Contracting-Dienstleister an, moderne und vor allem richtig dimensionierte Anlagen für Kunden anzuschaffen. Weil sie zum Festpreis liefern, steigt der Profit, je höher die Einsparungen sind - und dafür sorgt neueste Technik. Neben den Energiedienstleistern hoffen deshalb Hersteller von sparsamen Anlagen für die Strom- oder Wärmeerzeugung auf zusätzliche Wachstumsimpulse.

In der Wohnungswirtschaft allerdings stagniert Contracting seit vier Jahren - zuvor war der Markt nach einem Urteil des Bundesgerichtshofs eingebrochen. Darin wurde das Einverständnis der Mieter zur Bedingung dafür gemacht, dass die Kosten für die Wärmelieferung umgelegt werden können - es sei denn, der Mietvertrag erlaube dieses ohnehin. Zwar sei die Entscheidung inzwischen von der Rechtsprechung zugunsten der Vermieter - und damit der Contracting-Dienstleister - präzisiert worden. "Das hat die Verunsicherung aber nur zum Teil aufgehoben", sagt Birgit Arnold, Vorstandsmitglied des Verbandes für Wärmelieferung (VfW).

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