Corporate-Governance-Debatte
US-Regulierungswahn bedroht Firmenkultur

Der Widerstand in Europa gegen eine schleichende Amerikanisierung der Unternehmenskontrolle wächst. Auch der Aufsichtsratschef des Stahlkonzerns Thyssen-Krupp, Gerhard Cromme, warnt davor, US-Regulierungsvorschriften „unkontrolliert nach Europa“ zu übernehmen.

DÜSSELDORF. Kritik übt Cromme, zugleich Vorsitzender der deutschen Corporate Governance Kommission, vor allem an dem Sarbanes Oxley Act (SOX), den die US-Regierung nach den Betrugsskandalen bei Enron und anderen verabschiedet hatte und der vor allem US-notierten Unternehmen sehr weitgehende interne Kontrollpflichten auferlegt. „Wir müssen aufpassen“, sagte Cromme auf der Jahrestagung der Governance-Kommission, „dass wir uns in Europa unsere Eigenständigkeit bewahren.“

Cromme sieht Gefahren durch das völlig unterschiedliche Rechtsverständnis diesseits und jenseits des Atlantiks. Die Amerikaner versuchen in Bilanzierungs- und Transparenzfragen, alles bis ins kleinste Detail zu regeln. Europäische Tradition ist es dagegen eher, Gesetze möglichst weit zu fassen und Details im Zweifel freiwilligen Vereinbarungen der Marktteilnehmer zu überlassen.

Ex-Deutschbanker Hilmar Kopper sieht das Dilemma: „Amerikanische Investoren halten nur das für gut, was sie kennen.“ Der Aufsichtsratschef von Daimler-Chrysler warnt aber vor Illusionen. Die Europäer seien gut beraten, dieses Verhalten der US-Investoren zu berücksichtigen, „auch wenn wir einige Regeln für Irrsinn halten“.

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