Corporate-Governance-Regeln
Konzerne knausern mit Informationen

Von meisten Empfehlungen des deutschen Corporate Governance Kodex von den betroffenen Unternehmen voll akzeptiert – zumindest auf dem Papier. In der Realität geizen die börsennotierten Firmen aber mit Informationen. Zweifel an der Aufrichtigkeit kommen auf.

DÜSSELDORF. Der deutsche Corporate Governance Kodex ist weitgehend etabliert. 79 der 82 Empfehlungen werden von den börsennotierten Gesellschaften voll akzeptiert: Das berichtet die Kodex-Kommission unter Leitung von Gerhard Cromme. Doch zwischen den „erklärten“ Grundsätzen guter Unternehmensführung und -überwachung und der Realität gibt es offenbar große Unterschiede. Zu diesem Ergebnis kommt ein Praxistest von Manuel René Theisen, Professor an der Ludwig-Maximilian-Universität in München.

Laut Studie versichern zwar alle Unternehmen, über eine so genannte Berichtsordnung zu verfügen. Darin ist festgehalten, in welchem Umfang Vorstand und Aufsichtsrat sich gegenseitig informieren müssen. Faktisch lässt sich diese Versicherung laut Theisen aber nicht überprüfen.Mehr als drei Viertel der Konzerne verweigern konkrete Angaben und behaupten, dass es sich um eine „interne Angelegenheit“ handele. „Der Aktionär soll also einfach glauben was ihm versichert wird.“ Erklärungen, die sich an den Kapitalmarkt wenden, müsse man auch überprüfen können, sagt Theisen. „Sonst haben sie keinen Wert.“

Unterstützt wird er bei dieser Kritik von seinem Kollegen Alexander Bassen. Der Kodex lasse bewusst eine flexible Auslegung zu. Würden diese Spielräume von den Unternehmen missbraucht, so bestehe die Gefahr, dass der Gesetzgeber wieder einschreite. Bassen: „Gerade bei einem so zentralen Punkt wie der Informationsordnung sollten keine Kompromisse geduldet werden.“

Ernüchternd fand Theisen auch das Reaktionstempo der Unternehmen. Mehr als 40 Prozent der großen Dax-Konzerne brauchten mehr als fünf Tage, um die Fragen per E-Mail zu beantworten. Theisen befürchtet, dass das Ergebnis seiner Studie Kritikern Munition liefert. Zumal selbst Kommissionschef Gerhard Cromme selbstkritisch sagt, „dass Corporate-Governance-Berichte häufig noch als notwendige Pflichtübung angesehen werden.“

Der Corporate-Governance-Experte Theodor Baums von der Universität Frankfurt hofft nicht, dass Theisens Stichprobe „repräsentativ für die gesamte Unternehmensgovernance in Deutschland" ist. Sein Eindruck ist, dass die Regeln zur guten Führung und Kontrolle von den Unternehmen seit Inkrafttreten vor fünf Jahren immer stärker in der Praxis umgesetzt werden.

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