Covestro plant größten Börsengang seit Jahren Matratzengold für Anleger

Covestro? Bis heute kennen die Bayer-Tochter nur Eingeweihte – doch das soll sich ändern. Der Kunststoff- und Matratzenschaumhersteller will mit einem Paukenschlag an die Börse. Eine Chance für Anleger?
Update: 04.09.2015 - 13:33 Uhr Kommentieren
Der Kunststoffhersteller Covestro will schnell an die Börse gehen. Quelle: Imago
Paar auf Matratze aus Polyurethan

Der Kunststoffhersteller Covestro will schnell an die Börse gehen.

(Foto: Imago)

Leverkusen, Frankfurt, DüsseldorfEs wird der größte Börsengang in Deutschland seit der Jahrtausendwende: Bayer will seine Kunststofftochter Covestro im vierten Quartal an die Börse bringen. Angeboten werden ausschließlich neue Aktien aus einer Kapitalerhöhung, wie das Unternehmen am Freitag mitteilte. „Wir haben den besten Weg für die Verselbstständigung des Material-Science-Geschäfts gesucht und sind zu der Überzeugung gelangt, dass ein IPO klare Vorteile sowohl für Bayer und Covestro als auch für ihre jeweiligen Stakeholder bietet“, sagte Bayer-Chef Marijn Dekkers.

Dabei will Bayer zunächst einen Minderheitsanteil platzieren. Langfristiges Ziel sei aber die vollständige Trennung, sagte Bayer-Finanzchef Johannes Dietsch am Freitag in einer Telefonkonferenz. Dies werde nicht nach 2020 sein, eher früher. Zur Höhe der Schulden, die Bayer seiner Kunststofftochter mitgibt, wollte sich Dietsch nicht äußern.

Details dazu dürfte Covestro wohl erst unmittelbar im Vorfeld der Emission zusammen mit dem Börsenprospekt publizieren, machten Dietsch und Covestro-Finanzchef Frank Lutz deutlich. Der Konzern könne damit aber seine Schulden von rund 21 Milliarden Euro zurückfahren, was sich positiv auf das Kreditrating auswirken dürfte.

Bei Covestro wird eine Bewertung von zehn Milliarden Euro angepeilt, rund drei Milliarden Euro sollen in der ersten Tranche platziert werden. Ab 2016 können Covestro-Aktionäre mit einer Dividende rechnen. Geplant sind Ausschüttungen von 30 bis 50 Prozent des Konzernergebnisses. Bis 2019 plant Covestro Einsparungen von 420 Millionen Euro.

Bayer werde nach dem Börsengang von Covestro noch eine Mehrheit an dem Kunststoffhersteller halten und sich verpflichten, für mindestens 180 Tage  keine weiteren Aktien zu verkaufen, sagte Dietsch. Langfristig sei es  weiterhin Ziel von Bayer, sich vollständig von Covestro zu trennen. Aber es gebe noch keinen konkrete Planung, wie und wann man weitere Anteile abgebe. „Wir konzentrieren uns voll auf den ersten Schritt“, sagte Dietsch.

Der Erlös aus dem IPO soll dazu genutzt werden, um Schulden gegenüber Bayer zurückzuführen. Covestro wird daher zunächst mit einer relativ hohen Verschuldung an den Start gehen. Nach dem Börsengang und der Rückzahlung an Bayer soll das Verschuldungsniveau aber auf einem tragfähigen Niveau von dem 2,5- bis Dreifachen des Ebitda liegen, was ein Rating im Investmentgrade-Bereich ermöglicht.

Covestro verbuchte im ersten Halbjahr einen relativ positiven Ertragstrend mit einer Steigerung des um Sondereffekte bereinigten Ebitda um 46 Prozent auf 914 Milliarden Euro. Das Ergebnis des neu formierten Chemieunternehmens ist damit nur geringfügig niedriger als das der Vorgängersparte Bayer Material Science, für die Bayer zum Halbjahr 930 Millionen Euro Ebitda ausgewiesen hatte. Für das Gesamtjahr zeichnet sich ein Ebitda von 1,5 Milliarden Euro ab, wie Lutz andeutete. Man gehe davon aus, dass man 60 Prozent des Jahresergebnisses im ersten Halbjahr verbucht habe.

In der aktuelle Wirtschaftsentwicklung in China  sehe man keinen Grund zur Besorgnis, betonte der Covestro-Finanzchef. Zwar habe sich die Konjunktur abgekühlt, China wachse aber weiterhin stärker als die Weltwirtschaft und Covestro erziele letztlich nur 15 Prozent des Umsatzes in dem Land. 

Die Geburtsumstände von Covestro sind gut. Bayer hat schon einmal eine neue Firma auf die Welt gebracht. Das war im Jahr 2005, als die Leverkusener ihre Chemiegeschäfte bündelten und in der Lanxess AG ausgliederten. Es war damals ein bunt zusammengestelltes Portfolio, das Management musste sich die Klammer erst selbst noch suchen. Beteiligte erzählen heute noch von Grabenkämpfen zwischen Führungskräften, die zusammenrücken sollten, aber nicht wirklich wollten.

Da hat es die bisherige Bayer Material Science einfacher. Das Unternehmen war bisher der dritte Teilkonzern im Bayer-Reich und arbeitet seit Jahren weitgehend eigenständig. „Covestro hat von Beginn an eine starke Mannschaft und ein homogenes Geschäftsmodell“, berichten Insider. 16.000 Mitarbeiter hat das Unternehmen, 2000 sind im Zuge der Ausgliederung aus der Bayer AG hinzugekommen: Finanzexperten, Chemie-Ingenieure, IT-Fachkräfte, Personalmanager – der Konzern musste viele Abteilungen neu aufbauen.

Nach BASF, Evonik und Lyondell-Basell wird Covestro der viertgrößte Chemiekonzern in Europa sein. Rund zwölf Milliarden Umsatz machte die Bayer-Tochter im vergangenen Jahr. In der Chemiebranche wird sie im Vergleich zu den anderen, breit aufgestellten Anbietern ein ungewohnter „Pure Player“ sein.

Kerngeschäft sind zwei Kunststoffarten: Polyurethane, also harte und weiche Schäume, die etwa in der Fassadendämmung, in Kühlgeräten, Matratzen und Polstermöbeln eingesetzt werden. Dazu kommt Polycarbonat, ein leichter und transparenter Kunststoff, der in CD-Hüllen, Brillengläsern, Autokarosserien und Sportgeräten verwendet wird. Bei beiden ist Covestro an der Weltmarktspitze.

Aufstieg in den Dax ist möglich

Ein neuer Name für Yahoo
Aus Yahoo wird Altaba
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Der Internetpionier Yahoo will nach dem geplanten Verkauf des Webgeschäfts an den Telekomkonzern Verizon das restliche Unternehmen in Altaba umbenennen. Der Name soll eine Wortschöpfung aus „alternate“ und „Alibaba“ sein. Altaba wird vor allem aus der Beteiligung an der chinesischen Online-Plattform Alibaba und Yahoo Japan bestehen. Zudem wird die derzeitige Konzernchefin Marissa Mayer den Verwaltungsrat nach der Übernahme verlassen. Mayer war es nicht gelungen, das von den Rivalen Google und Facebook an den Rand gedrängte Unternehmen wieder in die Erfolgsspur zu bringen.

Aus Deutsche Annington wird Vonovia
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Deutschlands größter Immobilienkonzern Deutsche Annington hat sich 2015 neuen Namen gegeben und firmiert seitdem unter Vonovia. Hintergrund des Namenswechsels war vor allem der Zusammenschluss mit dem Konkurrenten Gagfah. Statt der bisherigen Marke in den Farben Rot und Weiß ist das neue Logo nun in Petrol gehalten.

Aus Deutsche Annington wird Vonovia
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Der Name Vonovia, der an „neues Wohnen“ erinnern soll, sei in 17 Sprachen geprüft worden, teilte das Bochumer Unternehmen mit. Dem Immobilienunternehmen gehöre bundesweit rund 370.000 Wohnungen.

Aus Bayer Material Science wird Covestro
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Die Kunststoffsparte des Bayer-Konzerns macht den ersten Schritt in die Unabhängigkeit: Seit dem 1. September 2015 ist der Teilkonzern Bayer Material Science planmäßig unter seinem neuen Namen Covestro an den Start gegangen. Ein Jahr zuvor hatte der damalige Bayer-Chef Marijn Dekkers die Abspaltung des Bereichs und dessen Börsengang bis Mitte 2016 angekündigt. Bayer will sich künftig als sogenannter Life-Science-Konzern ganz auf seine ertragreicheren Sparten Gesundheit und Agrarwirtschaft konzentrieren.

Aus Bayer Material Science wird Covestro
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2014 hatte Covestro mit weltweit gut 14.000 Beschäftigten an 30 Standorten rund um den Globus einen Umsatz von 11,7 Milliarden Euro erzielt. Die wichtigsten Produktionsstandorte in Deutschland befinden sich in Dormagen, Krefeld-Uerdingen und Brunsbüttel.

Aus GDF Suez wird Engie
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Der französische Energieversorger GDF Suez gab sich 2015 einen neuen Namen. Der Konzern heißt seitdem „Engie“. Damit werde dem Wandel in der Energiebranche Rechnung getragen...

Aus GDF Suez wird Engie
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Der langjährige Chef Gérard Mestrallet verließ nach mehr als 20 Jahren die Spitze des Konzerns und machte Platz für die neue Chefin Isabelle Kocher. Gemeinsam hätten sie die Namensänderung beschlossen. Der Name sei leichter mit dem Geschäft des Unternehmens zu assoziieren: Energie. Es gibt noch zahlreiche andere Beispiel für Unternehmen, die in der Vergangenheit ihren Namen geändert haben...

Das ist einer der Herausforderungen für den neuen Konzern: Wachstum durch Zukäufe ist wegen der dominierenden Marktposition kaum möglich. Covestro ist also ist also auf eigene Ideen angewiesen, wo und wofür seine Kunststoffe noch eingesetzt werden können. Größere Zukäufe sind allenfalls im dritten Segment namens CAS möglich. Dort stellt der Konzern Inhaltsstoffe für Farben, Klebstoffe und Spezialprodukte her.

Das CAS-Segment ist das einzige recht konjunktur-und margenstabile Geschäft. Die beiden großen Sparten sind dagegen schwankungsanfällig, sie hängen an Wohl und Wehe der großen Kunden aus Automobil, Bauwirtschaft, Möbelproduktion und Elektronikindustrie. Regional betrachtet ist Asien und insbesondere China für Covestros Wachstumschancen entscheidend. Denn dort ist die Industrieproduktion der Welt versammelt.

Für den geplanten Börsengang ist entscheidend, wie sich die Lage in China und die Weltkonjunktur insgesamt entwickeln wird. Denn schon jetzt sind in den beiden Kernmärkten von Covestro die Überkapazitäten hoch – und damit der Preisdruck. Konkurrent BASF hat in neue Polyurethan-Anlagen investiert, in Nah-und Fernost drängen neue Wettbewerber auf den Markt. Covestro-Chef Patrick Thomas erwartet stabilere Preise: Die Anbieter würden alte Anlagen schließen, die steigende Nachfrage würde die bestehenden Werke mehr und mehr auslasten, sagt er.

Diese Erholung hat sich seiner Beobachtung nach schon in den Zahlen zum zweiten Quartal niedergeschlagen. Da kam die bisherige Bayer-Tochter auf einen Umsatz von 3,2 Milliarden Euro und eine operative Marge (Ebitda) von annähernd 16 Prozent. Das kann sich im Vergleich mit Konkurrenten wie BASF und Evonik sehen lassen. Dass die Zahlen extra für den Börsengang hübsch sein mussten, weist Thomas zurück.

Die großen Investoren zeigen Interesse an dem Unternehmen. Die ersten Treffen, in der Finanzbranche „pilot fishing“ genannt, seien gut verlaufen, heißt es in Branchenkreisen. Bei Covestro helfe das Blue-Chip-Geschäftsmodell, berichten Finanzkreise, gemeint ist die Masse. Selbst wenn nur die Untergrenze machbar ist bleibt der Anteil der frei handelbaren Aktien beachtlich, die von den Großinvestoren in diesen Tagen besonders gewünschte Liquidität hoch. Der sogenannte Free Float könne dann über die kommenden Monate durch Schnellplatzierungen von Aktien bei institutionellen Investoren ausgebaut werden.

Angesichts der Größe ist es nur eine Frage der Zeit, bis das Unternehmen im Dax für mittelgroße Unternehmen, dem MDax, gelistet wird. Das erhöht den Druck für Investoren, bei der Emission mitzumachen. Auf Dauer sollte sogar ein Aufstieg in den Dax möglich sein.

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