Covestro plant größten Börsengang seit Jahren
Matratzengold für Anleger

Covestro? Bis heute kennen die Bayer-Tochter nur Eingeweihte – doch das soll sich ändern. Der Kunststoff- und Matratzenschaumhersteller will mit einem Paukenschlag an die Börse. Eine Chance für Anleger?
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Leverkusen, Frankfurt, DüsseldorfEs wird der größte Börsengang in Deutschland seit der Jahrtausendwende: Bayer will seine Kunststofftochter Covestro im vierten Quartal an die Börse bringen. Angeboten werden ausschließlich neue Aktien aus einer Kapitalerhöhung, wie das Unternehmen am Freitag mitteilte. „Wir haben den besten Weg für die Verselbstständigung des Material-Science-Geschäfts gesucht und sind zu der Überzeugung gelangt, dass ein IPO klare Vorteile sowohl für Bayer und Covestro als auch für ihre jeweiligen Stakeholder bietet“, sagte Bayer-Chef Marijn Dekkers.

Dabei will Bayer zunächst einen Minderheitsanteil platzieren. Langfristiges Ziel sei aber die vollständige Trennung, sagte Bayer-Finanzchef Johannes Dietsch am Freitag in einer Telefonkonferenz. Dies werde nicht nach 2020 sein, eher früher. Zur Höhe der Schulden, die Bayer seiner Kunststofftochter mitgibt, wollte sich Dietsch nicht äußern.

Details dazu dürfte Covestro wohl erst unmittelbar im Vorfeld der Emission zusammen mit dem Börsenprospekt publizieren, machten Dietsch und Covestro-Finanzchef Frank Lutz deutlich. Der Konzern könne damit aber seine Schulden von rund 21 Milliarden Euro zurückfahren, was sich positiv auf das Kreditrating auswirken dürfte.

Bei Covestro wird eine Bewertung von zehn Milliarden Euro angepeilt, rund drei Milliarden Euro sollen in der ersten Tranche platziert werden. Ab 2016 können Covestro-Aktionäre mit einer Dividende rechnen. Geplant sind Ausschüttungen von 30 bis 50 Prozent des Konzernergebnisses. Bis 2019 plant Covestro Einsparungen von 420 Millionen Euro.

Bayer werde nach dem Börsengang von Covestro noch eine Mehrheit an dem Kunststoffhersteller halten und sich verpflichten, für mindestens 180 Tage  keine weiteren Aktien zu verkaufen, sagte Dietsch. Langfristig sei es  weiterhin Ziel von Bayer, sich vollständig von Covestro zu trennen. Aber es gebe noch keinen konkrete Planung, wie und wann man weitere Anteile abgebe. „Wir konzentrieren uns voll auf den ersten Schritt“, sagte Dietsch.

Der Erlös aus dem IPO soll dazu genutzt werden, um Schulden gegenüber Bayer zurückzuführen. Covestro wird daher zunächst mit einer relativ hohen Verschuldung an den Start gehen. Nach dem Börsengang und der Rückzahlung an Bayer soll das Verschuldungsniveau aber auf einem tragfähigen Niveau von dem 2,5- bis Dreifachen des Ebitda liegen, was ein Rating im Investmentgrade-Bereich ermöglicht.

Covestro verbuchte im ersten Halbjahr einen relativ positiven Ertragstrend mit einer Steigerung des um Sondereffekte bereinigten Ebitda um 46 Prozent auf 914 Milliarden Euro. Das Ergebnis des neu formierten Chemieunternehmens ist damit nur geringfügig niedriger als das der Vorgängersparte Bayer Material Science, für die Bayer zum Halbjahr 930 Millionen Euro Ebitda ausgewiesen hatte. Für das Gesamtjahr zeichnet sich ein Ebitda von 1,5 Milliarden Euro ab, wie Lutz andeutete. Man gehe davon aus, dass man 60 Prozent des Jahresergebnisses im ersten Halbjahr verbucht habe.

In der aktuelle Wirtschaftsentwicklung in China  sehe man keinen Grund zur Besorgnis, betonte der Covestro-Finanzchef. Zwar habe sich die Konjunktur abgekühlt, China wachse aber weiterhin stärker als die Weltwirtschaft und Covestro erziele letztlich nur 15 Prozent des Umsatzes in dem Land. 

Die Geburtsumstände von Covestro sind gut. Bayer hat schon einmal eine neue Firma auf die Welt gebracht. Das war im Jahr 2005, als die Leverkusener ihre Chemiegeschäfte bündelten und in der Lanxess AG ausgliederten. Es war damals ein bunt zusammengestelltes Portfolio, das Management musste sich die Klammer erst selbst noch suchen. Beteiligte erzählen heute noch von Grabenkämpfen zwischen Führungskräften, die zusammenrücken sollten, aber nicht wirklich wollten.

Da hat es die bisherige Bayer Material Science einfacher. Das Unternehmen war bisher der dritte Teilkonzern im Bayer-Reich und arbeitet seit Jahren weitgehend eigenständig. „Covestro hat von Beginn an eine starke Mannschaft und ein homogenes Geschäftsmodell“, berichten Insider. 16.000 Mitarbeiter hat das Unternehmen, 2000 sind im Zuge der Ausgliederung aus der Bayer AG hinzugekommen: Finanzexperten, Chemie-Ingenieure, IT-Fachkräfte, Personalmanager – der Konzern musste viele Abteilungen neu aufbauen.

Nach BASF, Evonik und Lyondell-Basell wird Covestro der viertgrößte Chemiekonzern in Europa sein. Rund zwölf Milliarden Umsatz machte die Bayer-Tochter im vergangenen Jahr. In der Chemiebranche wird sie im Vergleich zu den anderen, breit aufgestellten Anbietern ein ungewohnter „Pure Player“ sein.

Kerngeschäft sind zwei Kunststoffarten: Polyurethane, also harte und weiche Schäume, die etwa in der Fassadendämmung, in Kühlgeräten, Matratzen und Polstermöbeln eingesetzt werden. Dazu kommt Polycarbonat, ein leichter und transparenter Kunststoff, der in CD-Hüllen, Brillengläsern, Autokarosserien und Sportgeräten verwendet wird. Bei beiden ist Covestro an der Weltmarktspitze.

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