Covestro wird abgespalten

Die neue Freiheit von Bayer

Bayer gehört zu den erfolgreichsten deutschen Konzernen. Die Geschäfte bei Gesundheit- und Agrar florieren, die Aktie ist ein Star im Dax. Der Abschied von der Kunststoffsparte eröffnet dem Konzern nun neue Perspektiven.
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Dekkers: Covestros Börsengang steht nichts im Wege

Dekkers: Covestros Börsengang steht nichts im Wege

LeverkusenWenn Bayer-Chef Marijn Dekkers am Mittwoch die Quartalszahlen des Unternehmens präsentiert, steht der Pharma- und Agrarkonzern kurz vor dem Start in eine neue Ära. Zum 1. September macht die Kunststoffsparte den ersten Schritt in die Eigenständigkeit. Bislang als Teilkonzern unter dem schwerfälligen Namen Bayer Material Science geführt, geht der Bereich als Covestro an den Start. Spätestens Mitte 2016 soll nach Dekkers' Plänen die neue Gesellschaft dann an die Börse gebracht werden.

Die geplante und lange erwartete Herauslösung der Kunststoffsparte aus dem Konzern hatte der Bayer-Chef vor einem Jahr angekündigt. Damit vollzieht das Unternehmen den Schritt, den Börsianer immer wieder gefordert hatten: Eine Spezialisierung und Konzentration auf das Gesundheitsgeschäft und den Agrarbereich – Bayer als lupenreiner Life-Science-Konzern, so wie es viele Konkurrenten bereits vorgemacht hatten. Denn das Geschäft mit der Gesundheit für Mensch, Tier und Pflanze gilt als extrem profitabel und soll künftig nicht durch eine konjunkturanfällige Industriesparte geschwächt werden.

Vor zehn Jahren hatte sich Bayer bereits von der traditionsreichen Chemie getrennt und den Bereich als Lanxess an die Börse gebracht – eine mögliche Blaupause für die nun anstehende Abspaltung von Covestro. Doch in welcher Form der Börsengang erfolgt – über eine Neuemission oder einen sogenannten Spin-off, bei dem Altaktionäre als Entschädigung Covestro-Anteilsscheine ins Depot gelegt werden – ist derzeit noch unklar. In Medien war spekuliert worden, dass Covestro je nach Marktumfeld schon in diesem Herbst auf dem Börsenparkett debütieren könnte.

Auf Patrick Thomas kommt in diesen Tagen jedenfalls eine Menge Arbeit zu. Der 57-jährige britische Manager leitet seit acht Jahren die Geschicke von Bayer Material Science und steht nun vor der größten Herausforderung seiner Karriere. Er muss dem Unternehmen mit mehr als 14.000 Beschäftigten weltweit und einem Umsatz von 11,6 Milliarden Euro (2014) ein Gesicht verleihen. Und das ist bei einem Konzern der Chemieindustrie nicht einfach.

Herzstück der Sparte sind Polyurethane und Polycarbonate – das eine sind Rohstoffe für Schaumstoffe, das andere hochwertige Kunststoffe. Hinzu kommen Vorprodukte für Lacke und Klebstoffe sowie Spezialchemikalien. Die wichtigsten Abnehmer: Autohersteller, die Elektroindustrie sowie die Bau-, Möbel und Sportartikelbranche. Anwendung finden Kunststoffe aus Leverkusen bei einem weltbekannten Produkt: dem WM-Ball des Weltfußballverbands FIFA – vom Azteca (1986) und Etrusco (1990) bis zum Teamgeist (2006) und Brazuca (2014).

Dass Covestro nun den Kapitalmarkt anzapfen kann und nicht mehr auf Geldmittel des Mutterkonzerns angewiesen sein wird, hat viele Vorteile: Vorstandschef Thomas ist fest davon überzeugt, die Abspaltung werde neue Freiheiten und Flexibilität schaffen. „Die Basis hierfür liegt in unseren führenden Marktpositionen“, unterstreicht Thomas. Und Bayer-Chef Dekkers kann flüssige Mittel verstärkt in die kostspielige Pharmaforschung lenken.

Die größten Pharmakonzerne der Welt
Platz 20: Astellas
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Gemessen am reinen Pharmaumsatz ist Astellas die Nummer zwei der japanischen Pharmaindustrie. Der Schwerpunkt liegt auf Transplantationsmedizin, Onkologie und Antiinfektiva. Die Japaner kamen im vergangenen Jahr auf einen Umsatz von 11,1 Milliarden Dollar.

Platz 19: Boehringer
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Das Labor von Boehringer Ingelheim: Der zweitgrößte deutsche Pharmakonzern ist fest in Familienhand. Die Schwerpunkte liegen auf Mittel gegen Atemwegserkrankungen wie etwa das Lungenmittel Spiriva. Ein weiteres bekanntes Mittel ist Pradaxa, das zur Thrombose-Prävention eingesetzt wird. Geschätzter Umsatz 2015: 12,6 Milliarden Dollar.

Platz 18: Takeda
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Takeda ist der größte japanische Pharmahersteller und bietet Mittel in verschiedenen Therapiegebieten. Die Japaner haben sich 2014 durch die Fusion mit Nycomed deutlich vergrößert und kamen voriges Jahr auf einen Pharmaumsatz von 13,8 Milliarden Dollar.

Platz 17: Allergan
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Allergan hieß früher einmal Actavis und ist unter anderem Hersteller von Botox. 2015 machte das Unternehmen einen Umsatz von 15,1 Milliarden Dollar.

Platz 6: Bayer
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Der größte deutsche Pharmakonzern hat sich im Gegensatz zu dem Jahr 2015 um ganze zehn Platze verbessern können. Der Umsatz 2017: 43,1 Milliarden Dollar. Top-Produkte sind beispielsweise der Gerinnungshemmer Xarelto und das Augenmedikament Eylea.

Platz 15: Novo Nordisk
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Die Produktion von Langzeitinsulin der Firma Novo Nordisk: Der dänische Arzneihersteller ist einer der weltweit führenden Anbieter von Mitteln gegen Diabetes. Er kam im vergangenen Jahr auf einen Umsatz von 16,1 Milliarden Dollar.

Platz 14: Bristol-Myers Squibb
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Der New Yorker Konzern hat seinen Schwerpunkt bei Mitteln gegen HIV und in der Immunologie, aber auch in der Onkologie. Der Pharmaumsatz lag 2015 bei 16,6 Milliarden Dollar.

Nicht leicht dürfte unterdessen vielen Beschäftigten der Abschied aus dem Konzern fallen. Arbeiten beim Bayer – das war in Leverkusen immer schon etwas Besonderes. Der örtliche Bundesligaverein trägt den Konzernnamen. Doch die Betriebsräte rangen dem Management Zugeständnisse ab: So sind bis Ende 2020 betriebsbedingte Kündigungen ausgeschlossen – und zwar in allen Bereichen des Konzerns.

  • dpa
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