Creat übernimmt Biotest
Deutsches Biotechunternehmen wird chinesisch

Die Unterschrift ist druckfrisch: Der chinesische Investor Creat hat sich mit der Eigentümerfamilie geeinigt, das Biotechunternehmen Biotest zu übernehmen. Die Hessen hoffen auf Finanzhilfen aus dem Reich der Mitte.
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MünchenDie chinesische Investmentgruppe Creat hat sich mit dem Biotest-Mehrheitsaktionär auf die Grundzüge des Kaufs der hessischen Pharmafirma geeinigt. Die Eigentümerfamilie Schleussner habe sich vertraglich verpflichtet, ihren in der OGEL GmbH gebündelten Anteil von knapp 51 Prozent den Asiaten zu übertragen, teilte Biotest am Freitag mit. Vorstand und Aufsichtsrat unterstützen ohnehin die Transaktion. Die Mindestannahmeschwelle legte Creat mit 75 Prozent fest. Mit Schulden, Rückstellungen und Kassenbestand lassen sich die Chinesen Biotest knapp 1,3 Milliarden Euro kosten.

Biotest erhofft sich von den Chinesen vor allem finanzielle Unterstützung bei seiner Expansion. Creat-Chef Xu Wu kündigte an, die Biotest-Zentrale in Dreieich zu stärken und weitere Arbeitsplätze in Deutschland zu schaffen. Bereits im Vorfeld hatte er weitreichende Garantien gewährt. So sollen Firmennamen sowie Marken- und Produktnamen weitergeführt werden. Zudem soll an geltenden Betriebsvereinbarungen, bestehenden Tarifverträgen sowie der betrieblichen Mitbestimmung für einen Zeitraum von fünf Jahren festgehalten werden.

Die Stammaktionäre sollen wie angekündigt 28,50 Euro je Anteilsschein erhalten, die Vorzugsaktionäre 19 Euro. Neben der Familie Schleussner sind die Kreissparkasse Biberach mit gut 15 Prozent sowie die BW Invest Baden-Württembergische Investmentgesellschaft mit mehr als als sieben Prozent weitere Großaktionäre. Die Vorzugsaktien sind komplett im Streubesitz.

Mit Biotest nimmt Creat ein weiteres Unternehmen ins Visier, das im Bereich Plasmaproteinprodukte tätig ist. Erst im vergangenen Jahr hatten die Chinesen die britische Firma Bio Products für 820 Millionen Pfund (rund 944 Millionen Euro) gekauft. Biotest hat sich neben Plasmaproteinprodukten auf biotherapeutische Arzneimittel konzentriert. Der Vorstand setzt darauf, dass die Chinesen Biotest bei notwendigen Investitionen in Produkte und Fertigung unter die Arme greifen. Mit dem 270 Millionen Euro teurem Investitionsprogramm „Biotest Next Level“ sollen die Produktionskapazitäten der Firma bis 2022 mehr als verdoppelt werden.

Biotest beschäftigt mehr als 2.500 Mitarbeiter, den Großteil davon in Deutschland und den USA. 2016 schrieb das Unternehmen einen Nettoverlust von 45,7 (Vorjahr: minus 82,5) Millionen Euro. Den brockte Biotest das US-Therapiegeschäft ein, von dem sich die Hessen mit einem hohen Verlust trennen. Der Gewinn der fortgeführten Geschäftsbereiche verbesserte sich dagegen um mehr als ein Viertel auf 34,5 Millionen. Der Umsatz legte um 3,5 Prozent auf gut 610 Millionen zu.

Für 2017 wird ein Umsatzplus im niedrigen einstelligen Prozentbereich erwartet. Das operative Ergebnis (Ebit) der fortgeführten Bereiche soll dagegen wegen hoher Kosten für den Ausbau der Produktionskapazitäten auf 46 bis 48 (2016: 63,9) Millionen Euro schrumpfen.

Agentur
Reuters 
Thomson Reuters Deutschland GmbH / Nachrichtenagentur

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