Cromme rechtfertigt Trennung von Kleinfeld
Schwarzer Peter geht in die USA

Der scheidende Siemens-Chef Klaus Kleinfeld hat die Unterstützung im Aufsichtsrat angeblich vor allem wegen des Drucks der US-Behörden in der Schmiergeldaffäre verloren. Darauf beruft sich zumindest der neue Aufsichtsratschef Gerhard Cromme. Zuvor hat Kleinfeld aber die Messlatte für seinen Nachfolger noch sehr hoch gelegt, denn die jüngst vorgelegten Zahlen des Industrieriesen sind glänzend.

HB MÜNCHEN. Es gebe zwar bisher keine Hinweise auf ein Fehlverhalten Kleinfelds, erklärte der neue Siemens-Aufsichtsratschef Gerhard Cromme am Donnerstag. Die US-Anwälte von Siemens hätten aber auf die „ernsten Bedenken der US-Behörden“ hingewiesen, die aufmerksam verfolgten, „wie Vorstand und Aufsichtsrat mit den Vorwürfen gegen das Unternehmen umgehen“. In der Untersuchung der Kanzlei Debevoise & Plimpton habe es „Hinweise auf potenzielle schwerwiegende Risiken für die Siemens AG“ gegeben. Daraufhin seien zahlreiche Mitglieder gegen eine Verlängerung von Kleinfelds Vertrag gewesen.

In der Folge hatte Kleinfeld seinen Rücktritt angekündigt. Der Vorstandsvorsitzende verabschiedete sich am Donnerstag mit der Vorlage glänzender Halbjahreszahlen und verordnete dem Konzern trotz seines baldigen Abschieds ein neues, ehrgeiziges Renditeprogramm. Ein Ende der Krise bei Deutschlands größtem Elektrokonzern ist aber nicht in Sicht. Der Schmiergeldskandal dürfte sich nach Einschätzung des Unternehmens noch ausweiten.

Siemens hatte am Vormittag mitgeteilt, nach dem US-Justizministerium habe nun auch die US-Börsenaufsicht SEC im vergangenen Quartal ihre informellen Ermittlungen in eine offizielle Untersuchung umgewandelt. Siemens gab im vergangenen Quartal 63 Mill. Euro für externe Hilfe zur Aufarbeitung der Korruptionsaffären aus.

Schneller Wechsel an der Spitze zeichnet sich ab

Wer neuer Siemens-Chef wird, ist völlig offen. Alle Beteiligten gehen aber davon aus, dass relativ schnell eine Lösung gefunden werden muss, um die Zeit der Unsicherheit zu beenden.

Kleinfelds Vertrag läuft zwar noch bis Herbst, inzwischen zeichnet sich jedoch ein schneller Wechsel an der Spitze ab. Der noch amtierende Vorstandsvorsitzende will gehen, sobald ein Nachfolger bereit steht. „Ich werde keinem im Wege stehen“, sagte Kleinfeld. Als wahrscheinlichster Kandidat für die Nachfolge wird trotz aller Dementis weiterhin Linde-Chef Wolfgang Reitzle gehandelt. Cromme hat nach Angaben aus seinem Umfeld eine Liste mit mehreren Kandidaten erstellt. Dabei versucht er auch weiterhin, Reitzle zu überzeugen. Der Linde-Chef hatte ursprünglich abgesagt, ist aber inzwischen nach Angaben aus seinem Umfeld durchaus wieder grundsätzlich interessiert.

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