Cromme übernimmt Herkules-Aufgabe
Siemens-Chef verzweifelt gesucht

Der Aufsichtsrat von Siemens hat Gerhard Cromme am Mittwochabend zum neuen Chef-Kontrolleur des Industriekonzerns gewählt. Er übernimmt damit einen der schwierigsten Posten in der deutschen Wirtschaft. Immerhin hat Klaus Kleinfeld in der Auseinandersetzung mit dem Gremium seinen Posten geräumt.

HB MÜNCHEN. Als neuer Siemens-Aufsichtsratschef muss der 64-jährige Cromme nach der Rücktrittsankündigung von Klaus Kleinfeld in den nächsten Wochen zuerst einmal einen neuen Vorstandsvorsitzenden suchen - was schwierig genug sein dürfte.

Der Aufsichtsrat ist extrem an Linde-Chef Wolfgang Reitzle als Nachfolger für Klaus Kleinfeld interessiert. Cromme und Aufsichtsrats-Vize Josef Ackermann von der Deutschen Bank üben derzeit nach Informationen des Handelsblattes auf den Aufsichtsratsvorsitzenden von Linde, Manfred Schneider, starken Druck aus, Reitzle freizugeben. Der Industriegasespezialist ist nach dem angekündigten Rückzug von Kleinfeld jedoch erneut Spekulationen über einen Wechsel Reitzles an die Spitze des Münchener Technologiekonzerns entgegengetreten. „Gehen Sie davon aus, dass Reitzle weiterhin Vorstandschef bei Linde bleiben wird“, sagte ein Firmensprecher am Mittwoch.

Damit ist die Personalfrage weiter offen. In unbestätigten Medienberichten wird derweil auch der frühere VW-Markenvorstand Wolfgang Bernhard als Nachfolger für Kleinfeld gehandelt. Die Namen Kai-Uwe Ricke sowie Helmut Panke und Joachim Milber sind ebenfalls schon gefallen.

Aufklärung der Schmiergeldaffäre gefragt

Neben der Personalsuche muss Cromme außerdem Deutschlands größten Elektrokonzern nach dem beispiellosen Führungschaos wieder in ruhigeres Fahrwasser bringen und die Aufklärung der Schmiergeldaffäre vorantreiben, die den Konzern in die schwerste Krise seiner Unternehmensgeschichte gestürzt hat. Als Leiter der Corporate-Governance-Kommission für die richtige Unternehmensführung gilt Cromme bei den Anteilseignern, aber auch den Arbeitnehmern als richtiger Mann für den diffizilen Job. Allerdings gibt es im Umfeld des Konzerns durchaus auch kritische Stimmen.

In den vergangenen Tagen zog Cromme die Fäden im Hintergrund. Einen Vortrag über Corporate Governance beim Europäischen Berufsverband für Eigenständige Mediation am Abend vor der entscheidenden Aufsichtsratssitzung sagte Cromme dann doch lieber kurzfristig ab. Stattdessen versuchte er die Krise um die Verlängerung des Vertrags von Vorstandschef Klaus Kleinfeld in den Griff zu bekommen.

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