Daimler, BMW, VW Deutsche Autohersteller planen Schnellladenetz für E-Autos

Elektroautos warten weiter auf den Durchbruch. Ein Grund: die mangelhafte Lade-Infrastruktur. Daimler, BMW, Volkswagen mit seinen Töchtern Audi und Porsche sowie der US-Konzern Ford wollen das schon 2017 ändern.
Update: 29.11.2016 - 12:40 Uhr 3 Kommentare
Deutsche Firmen wollen von 2017 an 400 Schnellladestationen entlang von Hauptverkehrsknoten in Europa aufbauen. Bis 2020 sollen es Tausende Stationen sein. Quelle: dpa
Schnellladenetz

Deutsche Firmen wollen von 2017 an 400 Schnellladestationen entlang von Hauptverkehrsknoten in Europa aufbauen. Bis 2020 sollen es Tausende Stationen sein.

(Foto: dpa)

StuttgartDie Autokonzerne BMW, Daimler, Ford und Volkswagen wollen mit einem europaweiten Netz an Schnell-Ladestationen Elektroautos zum Durchbruch verhelfen. Die vier Partner kündigten am Dienstag die Gründung eines Gemeinschaftsunternehmens für Stromtankstellen entlang der europäischen Hauptverkehrsachsen an. In einem ersten Schritt seien im kommenden Jahr rund 400 Ladepunkte geplant. Bis 2020 sollen Fahrer von E-Mobilen Zugang zu Tausenden solcher Hochleistungsladestationen haben. Zur Höhe der geplanten Investitionen machten die Unternehmen keine Angaben. Experten schätzen die Kosten auf einen hohen dreistelligen Millionenbetrag.

„Die Verfügbarkeit von Schnellladesäulen ermöglicht erstmals Langstrecken-E-Mobilität und wird dazu beitragen, dass sich immer mehr Kunden für ein Elektrofahrzeug entscheiden“, erklärte Daimler-Boss Dieter Zetsche. „Wir wollen ein Netz schaffen, mit dem unseren Kunden für das Nachladen auf längeren Fahrten eine Kaffeepause reicht“, fügte Audi-Chef Rupert Stadler hinzu. BMW, Daimler, Ford und Volkswagen mit seinen beiden Marken Audi und Porsche unterzeichneten eine Absichtserklärung zur Gründung eines Joint Ventures, an dem sich weitere Automobilhersteller beteiligen sollen. Das Vorhaben stehe noch unter dem Vorbehalt, dass die Kartellbehörden zustimmen.

Wie sich die Autoriesen elektrisieren
Unter Strom
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Die Zukunft fährt elektrisch. In einer Studie hat das Center of Automotive Management (CAM) der FH Bergisch-Gladbach die elektrischen Strategien untersucht. Insbesondere die deutschen Hersteller müssen nun die Aufholjagd starten, sagen die Wissenschaftler. Was die Konzerne planen – und wie viel elektrische Autos sie in Deutschland verkaufen.

GM (Opel) – Die Rückkehr des Ampera
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Noch im Jahr 2012 wurde der Ampera zu Europas Auto des Jahres gekürt. Wirklich erfolgreich wurde der Plug-in-Hybrid aber nie. Im ersten Halbjahr 2016 verkaufte Opel kein einziges elektrisches oder halbelektrisches Auto. Das soll sich bald ändern. In Paris zeigen die Rüsselsheimer den Ampera-E: ein reines Elektroauto mit 400 Kilometern Reichweite, das mit dem Vorgänger nur den Namen gemein hat.

Ford – Noch einmal mit Gefühl
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Nur zwei Mal wurde der Ford Focus Electric im ersten Halbjahr in Deutschland verkauft. Ford hat bei der Elektromobilität bislang wenig zu bieten. Darum sollen nun 4,5 Milliarden Dollar in die Entwicklung der Elektromobilität investiert werden. Bis 2020 sollen 40 Prozent aller Ford-Modelle elektrifiziert werden.

Toyota – der skeptische Weltmarktriese
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Obwohl die Japaner massiv auf den Hybrid setzen, geht die Elektrifizierung bei Toyota noch nicht sonderlich weit. Gerade einmal 22 Exemplare des Prius Plug-in-Hybrid wurden im ersten Halbjahr in Deutschland verkauft. Und ein reines Elektroauto hat Toyota derzeit nicht mal im Angebot.

PSA (Peugeot und Citroen) – Franzosen mit Nachholbedarf
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Die Schwestermodelle Peugeot iOn und Citroen C-Zero kommen langsam in die Jahre. Mickrige 79 Exemplare wurden im ersten Halbjahr in Deutschland zugelassen. Gemeinsam mit Dongfeng haben die Franzosen darum eine Elektro-Plattform entwickelt, auf der bis 2021 sieben reine Elektroautos entstehen sollen. Insgesamt will PSA bis dahin elf elektrische Modelle anbieten.

Hyundai-Kia – Elektrooffensive aus Korea
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Die koreanischen Schwesterkonzerne wollen bei der elektrischen Mobilität vornewegfahren. Die 302 verkauften Elektroautos im ersten Halbjahr gehen vor allem auf das Konto des Kia Soul EV. Mit dem neuen Ioniq will Hyundai als erster Hersteller ein Modell anbieten, das als Hybrid, Plug-in-Hybrid und als reines Elektroauto erhältlich sein soll.

Geely (Volvo) – Schwedischer Herzschlag
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Wer große SUV wie den Volvo XC90 baut, der braucht elektrische Hilfe – schon alleine um die strengen Abgaswerte einzuhalten. Rund 468 Plug-in-Hybride haben die Schweden mit der chinesischen Mutter im ersten Halbjahr in Deutschland verkauft. 2019 soll das erste Elektroauto mit einer Reichweite von 500 Kilometern vorgestellt werden.

Die geplante Infrastruktur soll eine Ladeleistung von bis zu 350 Kilowatt haben und damit ein schnelleres Wiederauftanken der Akkus ermöglichen als derzeit. Das Laden mit als Standard geltenden CCS-Steckern solle in Zukunft ähnlich bequem sein wie herkömmliches Tanken, versprachen die Hersteller. Die Bundesregierung hatte eine Förderung von 300 Millionen Euro angekündigt.

Die Ladeinfrastruktur ist eine wesentliche Voraussetzung für den geplanten Ausbau der Elektromobilität. VW und Daimler hatten unlängst dazu Pläne bekanntgegeben. Auch andere Autobauer wie BMW, Ford, General Motors und Toyota wollen die Entwicklung von E-Mobilen in den nächsten Jahren kräftig anschieben. Bisher fahren trotz Kaufprämie erst wenige Elektroautos auf deutschen Straßen, in Europa sind die Zulassungszahlen in den Niederlanden und Norwegen sehr viel höher.

Die Zusammenarbeit der Autokonzerne ist eine Reaktion auf den Elektroauto-Pionier Tesla, der bereits ein Netz von Schnellladestationen in Europa betreibt. „Die anderen Automobilhersteller holen nun eine Entwicklung nach“, sagte Stefan Bratzel vom Center of Automotive Management in Bergisch Gladbach. Mit ihren Plänen für eine Ladeleistung von bis zu 350 Kilowatt gingen BMW, Daimler & Co zugleich einen Schritt weiter. „Bisher hat man gedacht, das plätschert so vor sich hin. Nun aber greifen die Hersteller gemeinsam an.“ In den vergangenen Wochen war schon mehrfach über ein solches Vorhaben spekuliert worden.

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3 Kommentare zu "Daimler, BMW, VW: Deutsche Autohersteller planen Schnellladenetz für E-Autos"

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  • Willkommen in Zeitalter des Postfaktischen!
    Das System stellt eher ein Handelshemmnis als eine Initiative zur Förderung von E-Autos dar.
    Keines der aktuell verfügbaren deutschen E-Autos hat den passenden Stecker serienmässig, bei der Mercedes B-Klasse ist er nicht mal gegen Aufpreis erhältlich.
    Die Ankündigung diese Schnelladenetzes bedeutet also: Finger weg, kauft ja kein E-Auto, es wird nicht auf die Ladestationen passen!
    weitere Info:
    https://de.wikipedia.org/wiki/Combined_Charging_System#CCS_und_andere_Gleichstrom-Ladeverfahren.2C_Kritik

  • Damit wird sich die Lebenszeit der Akkus sehr schnell dem Ende annähren.
    Eine schlaue Lösung würde vorsehen die Akkus einfach zu tauschen das darf sich dann auch eher Schnellladen nennen.

  • Vorab sollt auch einmal von der EU/USA geklärt sein, dass die zukünftigen Batterien nicht dazu missbraucht werden können, die Verbraucher abzuzocken. Heisst, es muss gesetzlich eine standardisierte Batteriegröße vorgegeben werden (wie bei heutigen Autobatterien), damit alle Hersteller (also auch billige Fremdhersteller) einen einheitlichen Batteriemarkt bedienen können. Nur so wird Akzeptanz erreicht!

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