Daimler-Chrysler-Ehe vor dem Aus
Chronik der Entwicklung bei Chrysler

Der US-Autobauer Chrysler und der deutsche Industriekonzern Daimler-Benz schlossen sich am 7. Mai 1998 zusammen. Die spektakuläre transatlantische Fusion war in knapp vier Monaten von Daimler-Benz-Chef Jürgen Schrempp und Chrysler-Boss Robert Eaton unter Dach und Fach gebracht worden. Neun Jahre später steht die nach Schrempps Meinung „im Himmel gestiftete“ Ehe vor dem Aus.

HB DETROIT/STUTTGART. Der erneute Rutsch von Chrysler in die roten Zahlen und düstere Aussichten für den hart umkämpften US-Markt veranlassten Vorstand und Aufsichtsrat von Daimler-Chrysler, alle Optionen zu prüfen, um die Zukunftschancen der Nobelmarke Mercedes-Benz und des Massenherstellers Chrysler zu verbessern.

Damit machte die Konzernführung Mitte Februar den Weg für eine Trennung von Daimler und Chrysler frei. Die Beteiligungsgesellschaft Tracinda des US-Milliardärs Kirk Kerkorian erklärte am Donnerstag, sie wolle 4,5 Milliarden Dollar für Chrysler bieten.

Eine Chronik der Entwicklung bei Chrysler:

7. Mai 1998 - Daimler-Benz und Chrysler geben ihre Fusionsabsicht bekannt. Der Kurs der Daimler-Benz-Aktie steigt an diesem Tag in der Spitze auf 108,95 Euro.

17. November 1998 - Die DaimlerChrysler-Aktien werden weltweit erstmals an den Börsen gehandelt. In Frankfurt steigen die Papiere auf 72,48 Euro.

1999 - Im seinem ersten vollen Geschäftsjahr erwirtschaftet DaimlerChrysler einen Betriebsgewinn von 10,3 Milliarden Euro. Rund die Hälfte davon stammt von der US-Tochter Chrysler, die eine operative Marge von sieben Prozent erzielt. 2,7 Milliarden Euro steuert Mercedes-Benz zum Ergebnis bei und liefert eine Rendite von 7,8 Prozent ab.

2000 - Das Ergebnis von Chrysler bricht auf 501 Millionen Euro ein. Dieter Zetsche wird zur Sanierung von Chrysler nach Auburn Hills bei Detroit entsandt.

2001 - Der erste, rund vier Milliarden Euro teure Sanierungsplan für Chrysler wird im Februar veröffentlicht. Rund 26.000 Arbeitsplätze werden gestrichen, sechs Werke geschlossen. Am Ende des Geschäftsjahres beläuft sich der Betriebsverlust bei Chrysler auf 5,3 Milliarden Euro.

2002 - Chrysler schreibt wieder schwarze Zahlen und erwirtschaftet einen Betriebsgewinn von 609 Millionen Euro.

2003 - Erneute Verluste bei Chrysler. Für das Geschäftsjahr 2003 steht ein operativer Verlust von 506 Millionen Euro zu Buche.

2004 - Während Chrysler den Betriebsgewinn deutlich auf 1,43 Milliarden Euro steigert, bricht das Ergebnis von Mercedes wegen Qualitätsproblemen um die Hälfte auf 1,67 Milliarden Euro ein.

2005 - Rote Zahlen bei Mercedes, Chrysler glänzt dagegen mit einem Betriebsgewinn von 1,53 Milliarden Euro. Vorstandschef Jürgen Schrempp gibt seinen vorzeitigen Rücktritt zum Jahresende bekannt. Zum Nachfolger wird Chrysler-Chef Dieter Zetsche berufen, womit auch dessen Sanierungsarbeit bei der US-Tochter honoriert wird.

2006 - Die Verkaufszahlen von Chrysler auf dem US-Markt brechen ein. Wegen der gestiegenen Treibstoffpreise lassen sich Pickups und Geländewagen selbst mit hohen Rabatten nur schwer verkaufen. Verhandlungen mit der US-Gewerkschaft über Nachlässe bei den Gesundheitskosten scheitern. Chrysler weist einen Betriebsverlust von 1,1 Milliarden Euro aus.

14. Feb 2007 - DaimlerChrysler-Chef Zetsche kündigt einen weiteren Sanierungsplan für Chrysler an, der rund eine Milliarde Euro kosten soll. 13.000 Stellen sollen bis 2009 gestrichen und ein Werk geschlossen werden. Bis 2009 soll Chrysler eine operative Umsatzrendite von 2,5 Prozent erreichen. Parallel zur Sanierung will DaimlerChrysler „alle Optionen prüfen“. Damit werden ein Verkauf oder eine Abtrennung von Chrysler möglich, Zetsche lässt sich jedoch auch die Tür für einen Verbleib der Tochter im Konzern offen.

4. April 2007 - Zetsche bestätigt auf der Hauptversammlung, dass erste Gespräche mit Interessenten für Chrysler geführt werden. Als Interessenten gelten die Finanzinvestoren Blackstone und Cerberus sowie der kanadische Zulieferer Magna.

5. April 2007 - Die Beteiligungsgesellschaft Tracinda des US-Milliardärs Kirk Kerkorian erklärt, sie wolle 4,5 Milliarden Dollar für Chrysler bieten. Kerkorian war bereits vor der Fusion Aktionär des US-Autobauers und hatte vergeblich gegen den Zusammenschluss geklagt.

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