Daimler-Chrysler hat offenbar Verhandlungen aufgenommen
MAN hat bei Bieterwettstreit um MTU Nase vorn

Nach Angaben aus mit dem Vorgang vertrauten Kreisen will Daimler-Chrysler über den Verkauf seines Dieselmotoren-Herstellers MTU Friedrichshafen zunächst mit dem Münchener MAN-Konzern verhandeln. General Electric und Finanzinvestoren hatten ebenfalls Interesse angemeldet.

HB MÜNCHEN. Damit werde den Anliegen der Minderheitsgesellschafter von MTU Rechnung getragen, erfuhr die Nachrichtenagentur Reuters am Montag in den Kreisen. Die Familien Maybach und Zeppelin, die zusammen rund zwölf Prozent an dem Hersteller von Schiffs- oder Zug-Dieselmotoren halten, verfügen über eine Art Vetorecht und bevorzugen den Kreisen zufolge eine langfristige Lösung. Dies spräche gegen den Verkauf an einen Finanzinvestor und könnte eine Präferenz für MAN ergeben. Sprecher von Daimler-Chrysler, MAN und MTU Friedrichshafen lehnten eine Stellungnahme ab. MAN würde mit dem Zukauf seine eigene Dieselmotorensparte auf das Doppelte vergrößern.

Bislang galt der Münchener Nutzfahrzeug- und Maschinenbau-Konzern MAN neben einer Reihe von Finanzinvestoren als einziger strategischer Interessent für das Friedrichshafener Unternehmen mit einem Jahresumsatz von gut 1,3 Mrd. €. Nach Informationen des Handelsblattes ist auch der US-Elektronikriese General Electric (GE) in den Bieterwettbewerb um MTU eingestiegen. Unklar ist allerdings, ob der US-Konzern ein industrielles Interesse hat oder über seine Finanzsparte GE Capital als Finanzinvestor auftreten will. Bei GE Deutschland war dazu keine Stellungnahme zu erhalten.

MAN hatte zuletzt sein Interesse an MTU Friedrichshafen auch offiziell bestätigt. „Wir untersuchen, ob das etwas für uns wäre“, hatte MAN-Vorstandschef Hakan Samuelsson gesagt. Es gebe aber noch viele Fragezeichen. MTU Friedrichshafen gehört mehrheitlich zu Daimler-Chrysler. Die Wurzeln von MTU gehen auf Wilhelm Maybach zurück, der 1883 mit Gottlieb Daimler den ersten schnell laufenden Benzinmotor entwickelte. Später baute die Friedrichshafener Motorenbau, an deren Gründung Maybach maßgeblich beteiligt war, Maybach-Motoren für Zeppeline und von 1921 bis zum Zweiten Weltkrieg auch die legendären Maybach-Automobile.

Die heutige MTU Friedrichshafen sieht sich als einer der führenden Anbieter von Dieselmotoren und Antriebssystemen für Schiffe, Schienenfahrzeuge, Baumaschinen und kleine Energieanlagen. MAN hat eine Dieselmotorenfertigung mit anderen Schwerpunkten, der Umsatz der Sparte ist ähnlich hoch wie der von MTU. Medienberichten zufolge peilt Daimler-Chrysler einen Verkaufserlös bis zu 1,5 Mrd. € an. In Branchenkreisen heißt es, im Maschinenbau seien bei Unternehmensverkäufen Preise von bis zu einem Jahresumsatz üblich.

An der Börse lag die im Dax notierte MAN-Aktie am Nachmittag stärker als der Gesamtmarkt mit 2,4 % bei 33,32 € im Plus.

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