Daimler-Chrysler
Hilmar Kopper: Der langsame Abschied vom Stern

Eine Ära geht zu Ende: Hilmar Kopper räumt demnächst den Chefposten beim Daimler-Aufsichtsrat. Ohne den Deutschbanker wäre schon die Geburt der Daimler-Benz AG nicht möglich gewesen. Und an der Fusion mit dem US-Konkurrenten Chrysler war er maßgeblich beteiligt.

FRANKFURT. Leise haucht die Deutschland AG ihr Leben aus. Hilmar Kopper, einst als Vorstandssprecher der Deutschen Bank mächtigster Manager und bestgehasstes Symbol der Bankenmacht in der Republik, räumt demnächst den Chefposten beim Daimler-Aufsichtsrat. Damit endet die Verbindung zweier Konzerne, die das Wirtschaftsleben in den vergangenen 80 Jahren maßgeblich bestimmt haben. Die Bank war mehr als einmal Schutzmacht des Autobauers, Daimler der verlängerte Arm der Deutschbanker in die Industrie. Garant der Verbindung war ein Vertreter im Daimler-Aufsichtsrat. Der Abtritt Koppers beendet diese Tradition spätestens im April 2007.

Schon die Geburt der Daimler-Benz AG wäre ohne die Hilfe der Deutschbanker nicht möglich gewesen.

Vorstandschef Emil Georg von Stauss vermittelte 1926 die Fusion der Daimler-Motoren-Gesellschaft mit der Firma Benz & Cie zu Daimler-Benz. „Das war damals die Hochzeit zweier Kranker. Die Bank wandelte Kredite in Anteilsscheine um“, beschreibt Wilfried Feldenkirchen, Wirtschaftshistoriker an der Uni Erlangen, diese Rettungsaktion. Die USA machten dank moderner Fließbandfertigung der hiesigen Konkurrenz das Leben mit preiswerten Autos schwer. Außerdem befürchteten die Industriebosse damals, die USA könnten den hiesigen Markt aufrollen. Die Deutsche Bank müsse aus nationalen und volkswirtschaftlichen Gründen auch Verluste in Kauf nehmen, begründete Stauss den Schritt. Da er zugleich im BMW-Aufsichtsrat saß, hätte er die beiden Firmen am liebsten mit der Opel AG zur „Deutschen Kraftwagen AG“ fusioniert. Der Verkauf der Adam Opel AG, dem damals gesündesten deutschen Autobauer, an den US-Konzern General Motors machte diesen Plan 1929 jedoch zu nichte. Stauss blieb auch bis 1942 als Mitglied im Daimler-Aufsichtsrat die Konstante in der Beziehung der beiden Konzerne.

Auch später – die Bank besaß mittlerweile rund ein Drittel der Daimler-Aktien – griff sie in die Strategie des Konzerns ein. Als 1975 der damalige Großaktionär Friedrich Karl Flick 39 Prozent der Anteile an den Schah von Persien verkaufen wollten, übernahm die Bank ein Paket von 29 Prozent der Aktien mit einem elfprozentigen Aufschlag auf den Kurs. Bundeskanzler Helmut Schmidt zog die Fäden im Hintergrund. Ziel war eine Abschottung der deutschen Wirtschaft gegen den Zugriff ausländischer Aktionäre. Schließlich war zuvor – mitten in der Ölkrise – Kuwait mit 14 Prozent bei Daimler eingestiegen.

Wie 1926 an der Konzerngründung Stauss war 1998 Kopper maßgeblich an der Fusion mit dem US-Konkurrenten Chrysler beteiligt. Schrempp und Kopper zogen das Projekt einsam mit ihrem Küchenkabinett durch.

Erst die Globalisierung und die Bankenkrise Anfang dieses Jahreshunderts machten der Allianz der beiden deutschen Wirtschaftsflaggschiffe ein Ende. Im Jahr 2000 entschied Vorstandschef Rolf Breuer, dass die Bank nicht länger eine Industrieholding mit angeschlossenem Kreditbetrieb sein sollte, und begann, Industriebeteiligungen zu verkaufen. Von einem ehemals stolzen Portfolio, zu dem Beteiligungen an Allianz, Deutsche Börse, Hapag-Lloyd, Philipp Holzmann und Karstadt gehörten, ist kaum mehr etwas übrig geblieben. Auch der Anteil von knapp gut zwölf Prozent Daimler war kein Heiligtum mehr. Als der glücklose Kopper-Schützling Jürgen Schrempp letztes Jahr den Vorstandsposten in Stuttgart räumen musste und die Börse dies mit einem Kursplus von mehr als elf Prozent feierte, stieß die Bank die Hälfte ihrer Aktien mit Gewinn ab.

Ironie der Geschichte: Ausgerechnet die Ölscheichs, vor denen der Autobauer in den 70er Jahren noch geschützt werden sollte, sind nun mit 7,2 Prozent größter Daimler-Aktionär.

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