Daimler-Chrysler: In die Enge getrieben

Daimler-Chrysler
In die Enge getrieben

Chrysler ist – wieder einmal – ein Sanierungsfall. Die US-Tochter des Daimler-Chrysler-Konzerns hat die Wünsche der Kunden ignoriert und produziert die Autos, die eigentlich keiner will, überdies viel zu teuer. Eine Mitschuld an der prekären Lage trägt die Gewerkschaft. Sie hat Konzernchef Dieter Zetsche in die Enge getrieben – der wehrt sich nun.

AUBURN HILLS/FRANKFURT. Das Urteil des Autoexperten Willi Diez ist vernichtend. „Chrysler wird eine ewige Baustelle bleiben“, lautet sein Verdikt. Die US-Tochter des Daimler-Chrysler-Konzerns lebe wie General Motors und Ford immer von aktuellen Produkten – bringe der Hersteller nicht Jahr für Jahr neue attraktive Modelle auf den Markt, sause der Absatz sofort in den Keller. Chrysler ist ganz unten angekommen – wieder mal.

Die neuerliche Krise legt sich wie ein langer Schatten über das erste unruhige Jahr von Daimler-Chef Dieter Zetsche. Hatte er die US-Sparte zwischen 2000 und 2005 nicht höchstpersönlich und dauerhaft saniert? Kaum aus Detroit weggezogen, deutete schon einiges auf die nächste Talfahrt hin. Der drittgrößte US-Hersteller pokerte und ließ im Vorjahr so lange auf Vorrat produzieren, bis die Händler rebellierten: Aufträge für all die schweren Geländewagen und Pick-ups, die aus den Fabrikhallen rund um Detroit rollten, gab es keine. Die Quittung im Steckbrief: Reduzierung der Belegschaft um weitere 13 000 Mitarbeiter, ein Minus von 1,1 Mrd. Euro, eine Fabrik in Newark schließt bald ihre Tore.

Hieb gegen die Gewerkschaft

Zetsche muss sich nun schwere Managementfehler vorhalten lassen: Chrysler leidet unter Absatzschwierigkeiten und hohen Lagerbeständen, weil die US-Kunden wegen der gestiegenen Benzinpreise verstärkt kleinere und vergleichsweise verbrauchsarme Fahrzeuge nachfragen. Mehr als 70 Prozent der Chrysler-Modellpalette bestehen aber noch aus Sprit schluckenden Geländewagen, Pick-ups und Minivans. Den Trend zu weniger PS hat der Hersteller, zu dem auch die Marken Jeep und Dodge gehören, viel zu spät erkannt. Erst Ende Dezember schloss Chrysler eine erste Kooperation mit dem chinesischen Hersteller Chery zum Bau kleinerer Fahrzeuge.

Während der Umsatz nach unten rauscht, galoppieren die Kosten: Bei Chrysler haben sich die Aufwendungen für die Gesundheitsvorsorge der Mitarbeiter seit 2000 annähernd verdoppelt: Mit jährlich 2,2 Mrd. Dollar ist der Posten längst der größte Fixkostenblock. So haben es die Chrysler-Manager einst mit den United Auto Workers (UAW) ausgehandelt – in besseren Jahren. Zetsches neuerlicher Kahlschlag ist deshalb auch ein Hieb gegen die einst mächtigste Gewerkschaft der USA. Vor allem die hohen Personalkosten hängen Chrysler wie ein Mühlstein um den Hals: Kleinwagen seien in den USA einfach nicht profitabel zu produzieren, heißt es achselzuckend aus Detroit.

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