Daimler-Chrysler ist kein Einzelfall
BMW wurde Rover-Ausstieg längst verziehen

Der Stuttgarter Daimler-Konzern ist nicht der erste deutsche Autobauer, der sich im Ausland mit der Übernahme einer wohl klingenden Marke die Finger verbrannt hat. Vor fast genau vier Jahren machte der BMW-Konzern Schlagzeilen, als die Münchner den englischen Automobilproduzenten Rover für symbolische 10 Pfund (rund 14 Euro) an ein Manager-Konsortium verschenkten. Die BMW-Spitze zog die Notbremse, denn das Projekt Rover hatte intern nur noch einen Namen: „Englischer Patient“.

HB LONDON. Der Ausflug auf die Insel hat den deutschen Konzern in sechs Jahren viele Milliarden gekostet: 1994 hatte BMW die Marke für stolze 800 Mill. Pfund (1,2 Mrd Euro) gekauft und in den Folgejahren weitere 3,5 Mrd. Euro investiert. Doch der Plan, Rover vom herunter gekommenen Kleinwagenhersteller zum hochwertigen Limousinenbauer zu wandeln, schlug gründlich fehl. Veraltete Produktionsanlagen im Werk Longbridge - mit 24 000 Beschäftigten vor zehn Jahren noch einer der größten Autostandorte der Insel - sowie unterschiedliche Auffassungen über die Modellstrategie und kulturelle Differenzen zwischen Briten und Bayern ließen Rover bald in der Sackgasse stecken.

Natürlich löste der Rückzug der Deutschen in England Entsetzen aus, hatten die Briten doch so sehr auf die neuen Besitzer gesetzt. „BMW hatte einen fantastischen Ruf“, sagt ein Rover-Mitarbeiter heute. „Wir haben geglaubt, sie würden uns wieder auf die Beine bringen.“ Umso größer der Schock: Der damalige Wirtschaftsminister Stephen Byers nannte den Rückzug von BMW eine „große Enttäuschung“, Gewerkschaften und Zeitungen wetterten über den „Verrat“ von BMW und Politiker warfen dem Konzern öffentlich „Inkompetenz“ vor.

Trotz zäher Gespräche mit verschiedenen Interessenten konnte das BMW-Management aber am Ende eine Lösung finden, die auf der Insel als faire Chance gesehen wurde. BMW ließ sich das einiges kosten. Rover wurde nicht nur verschenkt, der Autobauer bekam auch noch ein von den Münchner Ingenieuren entwickeltes Limousinen-Modell (Rover 75) mitsamt der neue Produktionslinie dazu. Außerdem gab es eine satte finanzielle Starthilfe. „Lieber ein Ende mit Schrecken, als ein Schrecken ohne Ende“, so die Devise im Frühjahr 2000 bei BMW - gleiches gilt heute wohl in der Stuttgarter Daimler-Zentrale.

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