Daimler-Chrysler
Kommentar: Bissiger Zetsche

Der künftige Daimler-Chrysler-Chef Dieter Zetsche kam, sah und biss zu. War der erste Biss mit dem Abbau von 8 500 Arbeitsplätzen bei Mercedes schon schmerzhaft, so geht der zweite mit fast noch einmal so vielen Stellen tief ins Fleisch der Belegschaft. Mit der vorweihnachtlichen Besinnlichkeit im schwäbischen Autoland ist es endgültig vorbei.

Beim Aufräumen des in der Ära Schrempp angerichteten Chaos gibt es kein Kuscheln mehr mit den Arbeitnehmern. Der neue Konzernchef steht unter starkem Druck der Finanzmärkte, stieg doch der Aktienkurs bei der Ankündigung des Wechsels an der Spitze gleich um zehn Prozent.

Diesem Vorschusslorbeer muss Zetsche gerecht werden. Er hat bereits vorgegeben, dass der Konzern künftig „mit weniger mehr erreichen“ müsse. Der neue Chef weiß genau, dass in den verkrusteten Konzernstrukturen noch viel Luft ist.

Zetsche provoziert aber hohen Gegendruck der Arbeitnehmer. Im kommenden Frühjahr sind Betriebsratswahlen. Klein beizugeben ist diesmal für Gesamtbetriebsratschef Erich Klemm kaum drin. Die Verweigerung der Zustimmung zur Konzernplanung dürfte nur einen Vorgeschmack auf den richtigen Streit geben. Mit Blick auf prognostizierte Rekordgewinne kann Klemm Massenentlassungen nie und nimmer zustimmen. Der Konflikt hat so kurz nach dem vereinbarten Beschäftigungspakt das Zeug zur Zerreißprobe – für beide Seiten.

Zetsche dürfte wohl kaum so hart vorgehen, wenn Aussicht auf bessere Verkaufszahlen bestünde. Doch das ist eher unwahrscheinlich. Der Konzern befindet sich in der Defensive. Er kann derzeit nur reagieren, nicht agieren. 2006 kommt kein wichtiges neues Modell auf den Markt. Schnelle Erfolge, um die Mannschaft zu begeistern, sind also nicht in Sicht.

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