Daimler-Chrysler
Neun verflixte Jahre

Das Ende der Ehe von Daimler und Chrysler kam nicht unerwartet. Von Beginn an war die Zusammenarbeit von Fehlern und Fehleinschätzungen geprägt. Machosprüche, Maßlosigkeit und Milliardenverluste: Wie Daimler Chrysler schluckt und neun Jahre später wieder ausspuckt. Und warum ausgerechnet Jürgen Schrempp nun ein astronomisches Vermögen erlösen könnte.

DÜSSELDORF/FRANKFURT. Zwei Sätze sind es, ganze zwei Sätze, mit denen Daimler-Chrysler-Chef Dieter Zetsche das Ende einer Ära besiegelt: „Wir haben die Voraussetzungen für einen neuen Start für Chrysler und für Daimler geschaffen.“ Und weiter heißt es in der Ad-hoc-Mitteilung, die der Konzern gestern um 10.28 Uhr verschickt hat: „Wir sind davon überzeugt, eine Lösung gefunden zu haben, die den größten Wert schafft – für Daimler und für Chrysler.“ Die Lösung, die sieht so aus: Daimler-Chrysler verkauft 80,1 Prozent seiner US-Tochter Chrysler für 5,5 Milliarden Euro an Cerberus.

Damit geht eine neunjährige Ehe zu Ende, die vor allem das Werk eines Mannes war: Ex-Daimler-Benz-Boss Jürgen Schrempp. Dieter Zetsche hat die „Hochzeit im Himmel“ zur Scheidung angemeldet, genau wie Schrempp einst die Visionen seines Vorgängers Edzard Reuter zu Grabe trug – eine kleine Zeitreise.

Prolog

Mit Jürgen Erich Schrempp aus Freiburg fängt das Desaster an. „Als Lehrling buchstäblich unter dem Lastwagen“ begann er seine Karriere bei Deutschlands Autoschmiede Nummer eins: Daimler-Benz. Vorstandschef-Chef Edzard Reuter fördert Schrempp – bis der Schüler seinen Meister 1995 hinausdrängt.

Von Reuters Konzept des „integrierten Technologiekonzerns“ hält der 50-Jährige fortan nichts mehr. Schrempp, der als Männlichkeitsritual auch mal rohe Eier mit Schale im Mund zermalmt, macht sich an die Rückabwicklung von Reuters Vision.

Bald werden Jürgen Schrempp diverse Titel verliehen. „Rambo unter Deutschlands Managern“ nennt ihn Verteidigungsminister Volker Rühe. Leitende Mitarbeiter empfinden seinen Managementstil „wie die Schreckensherrschaft eines Hitler oder Stalin“. Kettenraucher und Hobby-Mig-29-Pilot Jürgen Schrempp sagt: „Daimler-Benz braucht mich mehr als ich Daimler-Benz.“

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