Daimler-Chrysler-Position möglicherweise ins Wanken geraten
Richter stoppt Kerkorian-Prozess

Im spektakulären Milliardenprozess in den USA gegen Daimler- Chrysler hat sich kurz vor Abschluss der Zeugenbefragung eine überraschende Wende ergeben: Richter Joseph Farnan setzte den Prozess auf unbestimmte Zeit aus, da Anwälte des Stuttgarter Autobauers am Montagabend Dokumente präsentierten, die der Klägerseite längst hätten übergeben werden müssen.

WILMINGTON/FRANKFURT. „Wir haben 61 Seiten Dokumente entdeckt, die versehentlich nicht übergeben worden waren“, sagte Daimler-Chrysler-Anwalt Michael Schell. Sie seien verpflichtet, alle prozessrelevanten Unterlagen zur Verfügung zu stellen. Allerdings seien die Dokumente erst jetzt aufgetaucht. Das Gericht verhandele nun mit den Anwälten beider Seiten darüber, in welcher Form die Papiere eingebracht werden könnten und wann die Anhörungen weitergehen sollen. Die Unterbrechung der Verhandlungen könne bis Ende dieser Woche dauern, da erst prozessrechtliche Fragen geklärt werden müssten.

Bei den Dokumenten handele es sich um Gesprächsnotizen des ehemaligen Finanzvorstands von Chrysler, Gary Valade, bestätigte Daimler- Chrysler-Sprecher Han Tjan. Über den Inhalt machte er keine Angaben.

Die Anwälte des Klägers Kirk Kerkorian und seiner Investmentgesellschaft Tracinda sahen das anders. „Es ist eine schwerwiegende Sache, solche Dokumente nicht rechtzeitig zu präsentieren“, sagte Tracinda-Anwalt Alan Stone. „Dies ist eine wichtige Entwicklung, die das Urteil beeinflussen könnte.“

Bis dahin hatte sich nach Ansicht von Experten ein Punktvorteil für den Autokonzern abgezeichnet. „Alles in allem ist der Prozess bis dahin für Daimler besser gelaufen als für die Kerkorian-Seite“, sagte Britta Grauke, Leiterin der Abteilung Prozessrecht der internationalen Kanzlei Weil, Gotshal & Manges, die den Medienkonzern Bertelsmann im Fall Napster in den USA vertritt. Die Verhandlung in Wilmington sollte ursprünglich heute abgeschlossen werden, die Entscheidung von Richter Joseph Farnan wird indes so oder so nicht vor Frühjahr 2004 erwartet – und bislang hat er sich nicht anmerken lassen, wessen Argumente er für die besseren hält.

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