Daimler-Chrysler
Schrempp nimmt leise Abschied

Am heutigen Freitag schließt sich ein Kapitel für Daimler-Chrysler: Jürgen Schrempp wird ein letztes Mal vor den Aufsichtsrat treten. Es ist ein leiser Abschied eines Mannes, der während seiner Amtszeit nie um einen Paukenschlag verlegen war.

FRANKFURT/STUTTGART. Am Ende bekommt Jürgen Schrempp doch noch die lange vermisste Laudatio. Der scheidende Daimler-Boss sei ein „außergewöhnlicher Unternehmensführer“, der „stets ein herausragendes Beispiel an Integrität, Hingabe an sein Amt und Verantwortungsgefühl gegenüber Kunden, Mitarbeitern und Aktionären“ gewesen sei, sagte der Vorsitzende des Kontrollgremiums, Hilmar Kopper, dem Handelsblatt. Das Fehlen jeglicher Dankesworte des Aufsichtsrats bei der Ankündigung des Wechsels an der Daimler-Spitze Ende Juli hatte damals für wilde Spekulationen über die Gründe des Rückzugs gesorgt.

In der Tat: Selten zuvor hatte in Deutschland ein Industrieboss einen solch blassen Abgang wie Jürgen Schrempp. War er in seiner Amtszeit nie um einen Paukenschlag verlegen, um so stärker zog er sich in der Folgezeit zurück. Tief sitzt wohl der Stachel, dass sein eigener Vorstand ihm im Frühjahr 2004 die Gefolgschaft verweigerte, als es um eine weitere Milliarden-Spritze für den japanischen Partner Mitsubishi ging.

Fünf Monate nach der Bekanntgabe der Spitzenpersonalie holt Schrempp-Duzfreund Kopper die Lobeshymne nun nach. Schrempp zeichne „mitreißende Begeisterungsfähigkeit und großer persönlicher Einsatz aus“, bindet der Aufsichtsratschef dem scheidenden Top-Manager Kränze. Auch die Konkurrenten aus der Autobranche finden zum Abschied fast nur anerkennende Worte.

Hinter vorgehaltener Hand sind dagegen viele Manager bei Daimler-Chrysler erleichtert, dass die Ära Schrempp nun endet. 44 Jahre arbeitete er für den Stuttgarter Konzern, angefangen hat er als Lehrling. Zahlreiche Mitarbeiter machen inzwischen keinen Hehl mehr daraus, dass sie Schrempp kaum eine Träne nachweinen, wenn Dieter Zetsche im neuen Jahr die Führung des Stuttgarter Autokonzerns übernehmen wird. Noch glücklicher indes zeigte sich die Börse von Schrempps Abgang: Innerhalb von Minuten stieg der Wert des Konzerns bei der Bekanntgabe im Juli um satte vier Milliarden Euro. Höchststrafe für einen scheidenden Vorstandschef.

Nicht alle Investoren hadern indes mit dem gebürtigen Freiburger. Zumindest bei seinem drittgrößten Anteilseigner steht der scheidende Konzernlenker offenbar in einem exzellenten Ruf. Glaubt man Sameer al-Ansari, dem Chef des staatlichen arabischen Finanzinvestors Dubai International Capital (DIC), wird der scheidende Daimler-Chrysler-Chef die Emirate bald bei ihrer weltweiten Suche nach lukrativen Finanzanlagen beraten. Es sei allerdings noch nicht sicher, ob man zusammenkomme, ließ al-Ansari vergangene Woche die Nachrichtenagenturen per SMS wissen.

Schrempp befinde sich in Gesprächen mit verschiedenen Unternehmen, darunter auch dem DIC, über eine Zusammenarbeit, heißt es aus seinem Umfeld. Bis Ende März will sich Schrempp nach eigenen Worten entscheiden. Viel hat Schrempp bisher nicht zu seinen weiteren Zukunftsplänen gesagt. Nur, dass er die Hälfte seiner Zeit künftig seiner Familie und Afrika widmen wolle.

Der bekennende Südafrika-Fan Schrempp war erst im Frühjahr dieses Jahres wieder Vater geworden. Seine Frau Lydia, die auch sein Büro leitete, bekam das zweite Kind – einen Jungen namens Luca Timon. Schon in den vergangenen Monaten hatte der Mann mit der sonoren Bass-Stimme sich stärker seiner Familie gewidmet. Im Büro in der Stuttgarter Zentrale war der 61-Jährige zuletzt immer seltener zu sehen. Statt dessen verbrachte er mehr Zeit in seinem Münchener Haus. Heute nun sagt Schrempp dem Daimler-Aufsichtsrat auch offiziell „Adele“. „De facto hat Schrempp im Unternehmen längst nichts mehr zu sagen“, betont eine Daimler-Führungskraft.

Ganz loslassen von der Arbeit kann der Automanager nicht. „Ich denke darüber nach, vielleicht ein kleineres Unternehmen zu kaufen oder Teilhaber zu werden“, sagte er kürzlich. Geld genug hätte er dafür mit seinem Millionengehalt. Auf jeden Fall muss sich der Manager daran gewöhnen, künftig nicht mehr im öffentlichen Mittelpunkt zu stehen. Der Familie wird es gut tun.

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