Daimler-Chrysler
Stuttgarter Tabubruch

Um Chrysler wieder auf Kurs zu bringen, will das Daimler-Management die US-Sparte mit der konzerneigenen Nobelmarke Mercedes-Benz enger verzahnen. Damit geht der Konzern ein hohes Risiko ein. Analysten warnen vor einer Schädigung der Premium-Marke mit dem Stern.

STUTTGART / NEW YORK / FRANKFURT. Im alten Detroiter Feuerwehrhaus klatschen sich Dieter Zetsche und Tom LaSorda beim traditionellen Bierzapfen der Chefs hinter der Theke ab. Harmonie, Zuversicht, vielleicht sogar Begeisterung wollen die Chefs von Daimler und Chrysler signalisieren. Mehr als nur Show? Was bei der Happy Hour nach Messeschluss Anfang Januar im Gespann funktionierte, soll jetzt auch im Tagesgeschäft der Autokonzerne gelingen.

Daimler-Chef Zetsche hat sich entschieden. Mit dem Chrysler-Sanierungsplan „Projekt X“ erteilt der Konzernchef einem radikale Schnitt bei der angeschlagenen US-Sparte eine klare Absage. Im Gegenteil: Das Daimler-Management will die Weichen für eine engere Verzahnung der US-Sparte mit der konzerneigenen Nobelmarke Mercedes-Benz stellen, um Chrysler wieder auf Kurs zu bringen. So verlautet es aus Unternehmenskreisen. Eine rasche Trennung vom Problemfall Chrysler ist damit vom Tisch.

In den vergangenen Tagen hatte der Aktienkurs von Daimler vor allem auf Grund der Spekulation, der Konzern werde seinen amerikanischen Problemfall abstoßen, deutlich angezogen. Zetsche hatte sich einst mit der Sanierung von Chrysler die Meriten für seinen Aufstieg zum Konzernchef verdient. Mit dem jetzigen Festhalten an Chrysler verbindet er sein persönliches Schicksal als Konzernchef mit dem Erfolg des US-Autobauers.

Das Maßnahmenpaket soll am Dienstag kommender Woche dem Aufsichtsrat auf einer außerordentlichen Sitzung präsentiert und einen Tag später auf der Jahrespressekonferenz vorgestellt werden. Ein Daimler-Sprecher wollte die Informationen nicht kommentieren. Nach Informationen der US-Zeitung „Detroit News“, die teilweise von Unternehmenskreisen bestätigt wurden, sollen der US-Autobauer und der Stuttgarter Premiumanbieter künftig sowohl im Kleinwagen- als auch im Geländewagensegment eng kooperieren.

Bereits in den vergangenen Tagen waren in US-Medien erste Details des sich anbahnenden Restrukturierungsprogramms durchgesickert. Danach sind bis zu 10 000 Stellen bei Chrysler gefährdet und mehrere Werke von der Schließung bedroht. Die engere Verzahnung der beiden unterschiedlichen PKW-Marken gilt intern allerdings als der radikalste Punkt des geplanten Programms, rührt er doch an ein Tabu im Konzern.

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