Daimler-Chrysler will Kaufpreis noch 2003 verbuchen
MTU-Verkauf ist in der heißen Phase

Der Verkauf des Triebwerkherstellers MTU Aero Engines GmbH durch Daimler-Chrysler geht in die Schlussphase. In Kürze will sich der Konzern für einen Bieter entscheiden. Übrig geblieben sind der britische Finanzinvestor Doughty Hanson und die beiden US-Investoren Kohlberg Kravis Roberts (KKR) und JF Lehman, die gemeinsam bieten.

mwb MÜNCHEN. Dem Vernehmen nach sollen beide Bietergruppen jetzt ein verbindliches Angebot abgeben. Für Daimler-Chrysler ist dabei wichtig, dass beim Verkauf allenfalls die kurze vereinfachte, vierwöchige kartellrechtliche Prüfung erfolgt, andernfalls ist der Zeitplan nicht mehr einzuhalten. Bei beiden Bewerben bestünde diese Chance. Ein Abschluss noch vor Weihnachten wäre dann zu erzielen.

Offiziell gibt der Konzern über den Verlauf der seit Monaten laufenden Verkaufsverhandlungen keinen konkreten Kommentar ab. „Wir bestätigen, dass wir MTU verkaufen wollen. Es gibt mehrere Interessenten. Wir sind an einer europäischen Lösung interessiert“, wiederholt der Daimler-Chrysler-Sprecher die Standardantwort des Konzerns.

Doch die Zeit drängt. Nach Informationen aus Verhandlungskreisen wollen die Stuttgarter das Geschäft noch vor Jahresende abschließen, damit der erwartetete Verkaufserlös von 1,5 bis 2 Mrd. Euro noch 2003 verbucht werden kann.

KKR und JF Lehman haben den leichten Vorteil, dass sie keine Beteiligungen in der Branche haben und damit kaum Hürden durch die Kartellbehörden zu erwarten sind. Doughty Hanson besitzt dagegen mit Dunlop Aerospace ein Triebwerksunternehmen in den USA. Doch auch Dunlop dürfte kaum bei den Kartellwächtern für Anstoß sorgen, weil die Firma fast nur in Nordamerika tätig ist.

Dunlop hat in den USA einen guten Namen

Der Verkauf an Doughty ist für MTU reizvoll: Mit Dunlop würde der Triebwerksbauer auf dem US-Markt ein stärkeres Standbein bekommen. Dunlop hat dort einen guten Namen und beliefert die US-Airforce. Zudem erzielt das Unternehmen rund 70 % seiner Umsätze mit Wartung. Die fusionierte Firma wäre robust gegen die Marktzyklen. Beide Bewerber wie auch MTU gaben keinen Kommentar ab.

Zünglein an der Waage wird aber der nordamerikanische Triebwerksbauer Pratt & Whitney (P&W) bleiben, der als strategischer Partner von MTU ein Mitspracherecht beim Verkauf des Unternehmens hat. Die Münchener erzielen über 50 % ihres Umsatzes als Zulieferer von P&W. Daimler Chrysler fühlt schon seit Wochen bei P&W vor, welcher Käufer akzeptabel ist.

Auch bei der Bundesregierung versuchen die Stuttgarter, den Weg zu ebnen. Schließlich ist die Bundeswehr der größte militärische Kunde von MTU (Eurofighter) und die Befürchtungen der Regierung sind groß, dass wichtiges Militär-Know-how ans Ausland verloren gehen könnte.

Kommt es nun zum Verkauf an eine der beiden Beteiligungsfirmen, hätte dies für Daimler-Chrysler große Vorteile: Es würde nicht nur schnell Geld fließen, der Konzern wäre auch nicht von einer sich anschließenden weiteren Konsolidierung der europäischen Triebwerksindustrie betroffen. Denn im Raum steht immer noch der im Rennen um MTU ausgeschiedene US-Investor Carlyle, der Fiat Avio bereits übernommen hat und die Italiener gerne mit MTU verheiraten würde.

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