Daimler-Chrysler will Turbinentochter verkaufen
„Europäische Lösung“ für MTU angestrebt

Im Rennen um die Übernahme des Münchener Turbinenherstellers MTU Aero Engines werden nach Angaben von MTU-Eigentümer Daimler-Chrysler mit fünf Investoren Gespräche geführt. Dabei wird nach einer „europäischen Lösung“ gesucht.

Reuters STUTTGART/MÜNCHEN. „Wir sind in Gesprächen mit fünf Partnern, aber noch in einem frühen Stadium“, sagte Unternehmenssprecher Hartmut Schick am Freitag in Stuttgart der Nachrichtenagentur Reuters. Alle Interessenten hätten industrielle Konzepte für die Daimler-Chrysler-Tochter vorgelegt. Vor dem Einstieg in konkrete Verkaufsverhandlungen müsse Daimler-Chrysler aber mit dem MTU-Partner Pratt & Whitney sprechen. „Es ist noch alles offen“, sagte Schick. Ein deutscher Interessent sei nicht unter den Bewerbern, betonte der Sprecher und fügte hinzu: „Wir suchen eine europäische Lösung.“ In Unternehmenskreisen hieß es, Daimler-Chrysler erwarte aus dem MTU-Verkauf ein Erlös von etwa 1,5 Mrd. €.

Eine europäische Lösung könnte etwa der US-Finanzinvestor Carlyle bieten, der im Juni zusammen mit Finmeccanica den MTU-Konkurrenten Fiat Avio gekauft hatte. „Ich bin sicher, dass Bundeswirtschaftsminister Wolfgang Clement nichts gegen eine europäische Lösung hätte“, sagte der Sprecher in Reaktion auf Forderungen, die MTU-Technologie in deutscher Hand zu behalten.

So hatte die Bundesregierung jüngst erklärt, den Verkauf deutscher Rüstungsfirmen ins Ausland künftig per Gesetz erschweren zu wollen. Verteidigungsminister Peter Struck (SPD) hatte noch für 2003 einen entsprechenden Gesetzentwurf angekündigt. So solle der Regierung ein Einspruchsrecht bei der Veräußerung von Wehrtechnik-Firmen ins Ausland eingeräumt werden. „Es ist natürlich in unserem Interesse, dass die Verantwortung für MTU möglichst bei einem deutschen Unternehmen bleibt“, hatte auch Wirtschaftsminister Wolfgang Clement (SPD) erklärt und eine Änderung des Außenwirtschaftsgesetzes in Aussicht gestellt.

Neben Carlyle waren in Branchenkreisen als Bieter für MTU bislang auch die US-Beteiligungsfirmen KKR Kohlberg Kravis & Roberts und Blackstone sowie die britische Doughty Hanson Group genannt worden. Einem früheren Zeitungsbericht zufolge hat sich die ursprünglich als eigenständiger Interessent aufgetretene US-Investmentfirma JF Lehman bereits mit KKR zusammengetan. Darüber hinaus soll es noch einen fünften potenziellen Käufer geben. Die Gespräche von Daimler-Chrysler mit dem US-Triebwerksbauer Pratt & Whitney sind nötig, da dieser als MTU-Partner ein vertraglich geregeltes Mitspracherecht bei einem Eigentümerwechsel hat.

Serviceangebote
Zur Startseite
-0%1%2%3%4%5%6%7%8%9%10%11%12%13%14%15%16%17%18%19%20%21%22%23%24%25%26%27%28%29%30%31%32%33%34%35%36%37%38%39%40%41%42%43%44%45%46%47%48%49%50%51%52%53%54%55%56%57%58%59%60%61%62%63%64%65%66%67%68%69%70%71%72%73%74%75%76%77%78%79%80%81%82%83%84%85%86%87%88%89%90%91%92%93%94%95%96%97%98%99%100%